Full text: Der Salzhandel, die Salinen und Salzbergwerke Württembergs im 19. Jahrhundert

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weist 150 PS. auf; eine zweite Reserve-Maschine besitzt 250 PS. Beide Ma 
schinen sind württembergisches Fabrikat und entstammen der bekannten Fabrik 
von C. Kuhn, Berg-Stuttgart. Die Seilbahn in der Grube, mit automatischer 
Aus- und Einschaltung der Förderwagen, wird elektrisch betrieben. 
Zu den Bohrarbeiten werden elektrische Gesteins-Bohrmaschinen, Fabrikat 
Siemens und Halske, verwendet. Der Antrieb der Bohrmaschinen erfolgt durch 
einen separaten Motor von 1 PS. Die Sprenglöcher werden bis zu 2,50 in 
Tiefe bei 40 mm Durchmesser gebohrt. Als Sprengmittel dient Sprengsalpeter; 
die Zündung wird mittels Papierraketen, welche die Arbeiter selbst anfertigen, 
bewirkt. Die Sprengarbeiten werden täglich spätestens bis 2 Uhr nachmittags 
beendet. Der Geruch des Sprengsalpeters nach dem Abschluß übt nur wenig 
oder gar keinen Einfluß ans die Grubenlust ans. Die Abbanarbeiten werden 
im Gedinge vergeben, wobei für Oel, Sprenginittel und Gezähe, ivelches Ma 
terial von der Verwaltung gestellt wird, dem Hauer ein bestimmter Satz in An 
rechnung gebracht wird. Nachtschichten sind auf dem Kgl. Bergwerk Friedrichs 
hall nicht eingeführt. Die tägliche normale Förderung erreicht durchschnittlich 
12 000 Ztr. Salz; bei Bedarf wäre es jedoch möglich, in 11 Stunden und 
8 Schichten diese Leistung maximal bis ans 22 000 Ztr. Salz tägliche Förderung zu 
steigern. Bis jetzt hat sich jedoch eine Notwendigkeit hierzu nicht ergeben. Im 
April 1909 hatte das Bergwerk eine Belegschaft von 210 Mann; hiervon ar 
beitete die Hälfte über Tage. Unter Tage waren 63 Hauer und 42 Förder 
leute tätig. 
So hat sich das kgl. Salzbergwerk Friedrichshall im gegenwärtigen staat 
lichen Salinenwesen Württembergs zum bedeutendsten Wirtschaftsfaktor entwickelt 
und es ist zu wünschen, daß ihm diese Stellung auch in der Zukunft gewahrt blei 
ben möge. 
15. Kapitel. 
Aas kgl. württ. Salzbergwerk „Milhelmsglück". 
Die teilweise Erschöpfung der Solquellen von Hall zwang zu einem Auf 
suchen neuer Salzlagerstätten. Da alle nach dieser Richtung hin unternommenen 
Versuche in unmittelbarer Nähe von Hall ergebnislos verlaufen waren, setzte 
man diese Versuche in etwas weiterer Ferne von der Stadtnähe fort*). Nach 
der äußeren Gestalt der Gebirgsformation zu Westheim, das zwei Stunden von 
Hall und im Oberamt Gaildorf gelegen war, schien dort die Möglichkeit von 
Salzlagerstätten vorzuliegen. Versuche sollten die Vermutung in glänzender 
Weise bestätigen. Ende des Jahres 1821 wurde unweit Westheim bei der 
Nenmühle südöstlich von Hall im Fallenden des Gebirges etwa 300 Fuß vom 
Kocherfluß ein Bohrloch angesetzt, mit welchem schon bei 332 Fuß im August 
1822 Steinsalz erbohrt wurde. Die Höhenlage dieses Bohrloches war 5l7ä 
Fuß über dem Kocher, 133 Fuß über dem Haller Salzbrunnen und 1105 Fuß 
über dem Meeresspiegel. Bei fortgesetztem Löffeln ergab sich, daß die Sole 
täglich nicht mehr als 100 bis 120 Maß förderte; es erstand weiter die Mög 
lichkeit, das Bohrloch vollständig trocken zu löffeln. Die überaus günstigen 
1) Alberti, Die Gebirge des Königreichs Württemberg. 1826, S. 228.
	        
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