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ungenügender Ventilation, Zehntausende getötet.“ Dabei
dachte er aber nur an die Verhältnisse in den Fabriken selbst.
Hinzukamen noch die ekelerregenden Löcher, in denen viele
Arbeiter hausen, und die schlechte Nahrung, mit der dieelend
bezahlten Arbeiter und ihre Familien auskommen mußten.
So wurden Männer, Frauen und Kinder dahingemäht; be-
sonders die Sterblichkeitsziffer der Kinder in Pittsburg war
so anormal, daß sie allgemeine Aufmerksamkeit erregte.
Zur Zeit des Homesteader Streiks hatte Carnegies Ge-
sicht noch nicht jenen honigsüßen, gewerbsmäßig wohl-
wollenden Ausdruck angenommen, wie später unter dem
mildernden Einfluß des Alters und der Anbetung einer
ganzen Welt, die (mit seltenen Ausnahmen) seine Wohl-
taten erbettelte und annahm. Man tut Carnegie nicht un-
recht, wenn man sagt, sein Gesicht habe damals selbst bei
ruhigem Ausdruck jeden, der seinen Pfad kreuzte, ent-
mutigen und einschüchtern müssen. Eine hohe, breite
Stirn wies auf seine Gabe scharfen Überlegens hin. Seine
Augen waren lang und schmal, durchbohrend und resolut,
von einem schlauen, harten Ausdruck beherrscht. Was aber
besonderen Eindruck auf den Beschauer machte, waren seine
Lippen und seine Backenknochen. Diese grimmig zusammen-
gekniffenen Lippen zeigten eine eiserne Entschlossenheit,
das durchzuführen, was er sich in den Kopf gesetzt hatte,
koste es, was es wolle; seine schweren Kinnbacken aber, aus
denen Zähigkeit und Kampfsucht sprach, verstärkten den
Eindruck der Lippen. Zum Glück für ihn milderte ein Bart
und ein Schnurrbart wie eine Art Draperie einigermaßen die
harten Linien seines Gesichts.
Die Panzerplatten-Skandale
Das Homesteader Gemetzel hinterließ einen tiefen und
dauernden Eindruck, und Carnegie hätte sicherlich viel
darum gegeben, ihn verwischen zu können. Allein nur zwei
Jahre später war er Gegenstand einer noch lauteren Anklage,
die diesmal aus einer ganz anderen Richtung kam. —
Außer der Einführung von Stahlschienen hatte ein anderer
Faktor der Stahlindustrie einen großen Aufschwung ge-