Full text : Der Salzhandel, die Salinen und Salzbergwerke Württembergs im 19. Jahrhundert

Einleitung.
Bei  einer  vorwiegend  volkswirtschaftlichen  Darstellung  des  Salzbergbaues
und  Salinenwesens  Württembergs  wird  es  sich  nicht  umgehen  lassen,  auch  mit
einigen  kurzen  Bemerkungen  auf  die  geologischen  Verhältnisse  des  Landes  einzugehen, ­
  soweit  diese  mit  der  Württembergischen  Salzindustrie  im  engeren  Zusammenhang ­
  stehen.  Allgemein  muß  an  dieser  Stelle  auf  die  die  Geologie
Württembergs  grundlegend  behandelnden  Werke  von  Quenstedt,  Fraas,  Endriß
u.  a.  verwiesen  werden,  wo  die  geologischen  Verhältnisse  Schwabens  ihre  umfassende ­
  und  erschöpfende  Darstellung  gefunden  haben.  Die  großen  und  überaus
zahlreichen  Salzlagerstätten  Württembergs  gehören  sämtlich  dem  mittleren  Muschelkalk ­
  Z  an,  der  sich  als  ein  Glied  der  Triasformation  charakterisiert.  Bei  der
großen  Ausdehnung  und  Bedeutung  dieser  Salzlagerstätten  unterscheidet  man  heute
geologisch  scharf  umzeichnet  eine  Steinsalzformation,  die  als  Glied  des  schon  erwähnten ­
  mittleren  Muschelkalkes  sich  in  Württemberg  von  Schwenningen  im
Süden  bis  nach  Friedrichshall  im  Norden  erstreckt,  im  wesentlichen  den  Neckarlauf ­
  als  Richtschnur  nehmend.  Das  ganze  Hügelland  zwischen  Neckar  und  Main
läßt  nach  dem  Charakter  der  dort  herrschenden  Gebirgsformation  ans  das  Vorhandensein ­
  der  Steinsalzformation  schließen  und  zahlreiche,  auf  mehr  als  ein
Jahrhundert  sich  erstreckende  Bohrversuche  haben  diese  von  der  Wissenschaft  aufgestellte ­
  Hypothese  praktisch  im  weitesten  Umfange  bestätigt.  Es  lassen  sich  drei
engere  Gebiete  der  Salzlagerstätten  Württembergs  unterscheiden  und  zwar  das
Gebiet  des  unteren  Neckars,  des  mittleren  Kochers  und  des  oberen  Neckars.
In  allen  diesen  Gebieten  besteht  gegenwärtig  eine  industrielle  Salzgewinnung.
Betrachtet  man  diese  drei  Hauptgebiete  ihrer  geographischen  Ausdehnung  nach,
so  ergibt  sich  folgende  Sachlage.
Das  Gebiet  des  unteren  Neckars,  in  welchem  gegenwärtig  die  bei
weitem  bedeutendste  Salzgewinnung  vor  sich  geht,  umfaßt  vornehmlich  folgende
Städte  und  Ortschaften:  Heilbronn,  Neckargartach,  Biberach,  Frankenbach,  ferner
Friedrichshall,  Offenan,  Kochendorf  und  Neckarsulm.  In  diesem  Gebiet  sind  zurzeit ­
  folgende  salzindustriellen  Unternehmungen  tätig:  Das  Kgl.  württ.  Salzbergwerk ­
  und  die  Kgl.  württ.  Saline  zu  Friedrichshall,  beide  Betriebe  werden  unter
der  offiziellen  Bezeichnung  „Kgl.  württ.  Saline  Friedrichshall"  geführt.
Als  Post-  und  Bahnstation  gilt  die  nahegelegene  Stadt  Jagstfeld.  Der  im
Jahre  1899  neu  niedergebrachte  Schacht  des  Kgl.  Salzbergwerks  gehört  der
Gemarkung  des  benachbarten  Kochendorf  an.  Derselben  Verwaltung  unterstellt

1)  Prof.  vr.  K.  Endriß:  Die  Steinsalzformation  im  mittleren  Muschelkalk  Württembergs. ­
  1898.  S.  38.  58.  68  f.
Reumann,  Salzbergbau  und  Salinenwesen  in  Württemberg

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