Full text: Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft in der Weltgeschichte

Zweiter Abschnitt. 
Die Tatbestände: Die Primitiven. 
Vor allem sollen nun, unbeeinflußt von den bisher be- 
;prochenen Theorien der Nationalökonomen und Historiker, die 
wirklichen Erscheinungsformen festgestellt werden, wie sie auf 
Grund der neuesten Forschung erkennbar werden. 
Ich beginne bei den Primitiven. Es galt und gilt zum 
Teil noch immer als ganz selbstverständlich, daß bei Völkern der 
niedersten Kultur eine reine oder unbedingte Naturalwirtschaft 
herrsche. Wie wir oben gesehen haben‘*), soll da die geschlossene 
Hauswirtschaft die gewissermaßen selbstverständliche Wirtschafts- 
verfassung ‚sein. Ich brauche mich hier nicht eingehender mit der 
Theorie Büchers zu beschäftigen, da von sehr berufener fach- 
männischer Seite in jüngster Zeit bereits eine gründliche Wider- 
legung dieser Aufstellung erfolgt ist. W.Koppers kommt auf 
Grund genauer Kenntnis der neuesten Spezialforschung zu der 
allgemein gültigen Schlußfolgerung: „die“ (geschlossene) Haus- 
wirtschaft in idealster Form existiert somit selbst auf den untersten 
menschlichen Entwicklungsstufen nicht?). „Wohl gibt es noch 
xein Geld und keinen Zwischenhandel, auch kein Berufsgewerbe‘), 
allein es existiert doch schon ein Tauschverkehr.‘“ Im ganzen 
zenommen, sagt Koppers, haben wir hier zweifellos recht be- 
merkenswerte Anfänge eines Handels- und selbst Marktwesens 
vor uns. Beachtung verdient m. E. die Tatsache, daß z. B. bei 
den Andamanesen der Gegensatz zwischen den Produkten der 
Küste und des Binnenlandes Angebot und Nachfrage immer 
wieder weckt und rege erhält. Inland- und Küstenbewohner, d. h. 
ı) Vgl. S. 2. 
?) Der Mensch aller Zeiten. III. Völker und Kulturen. I. Teil. Gesellschaft 
und Wirtschaft der Völker. 1924, S. 466. 
3) Ebda. 5. 465.
	        
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