verdoppeln, also im geometrisschem Verhältnis zuzuneh-
men. Für die Lebensmittel hat Malthus nur zugeben
wollen, daß sie sich unter den der menschlichen Tätigkeit
günstigsten Umständen in 25 Jahren um den ursprüng-
lichen Betrag, also in arithmetischer Progression ver-
mehren könnten. Malthus hat dies durch die Zahlenreihe
1, 2, 4, 8, 16, 32 für die Vermehrung der Bevölkerung
und 1, 2, 3, 4, 5, 6 für die der Lebensmittel deutlich ge-
macht. Die Bevölkerung sollte also die natürliche Ten-
denz haben, sich über die Mittel zur Unterhaltung hinaus
zu vermehren.
Professor Lange hat die Annahme, daß die Vermeh-
rung der Lebensmittel in einer arithmetischen Reihe er-
folge, als ungenügend angesehen. Diese Vermehrung
lasse sich in kein einfaches Verhältnis bringen. Er sagt
auf Seite 35:
„daß wir vom ganzen Malthusianismus weiter nichts brauchen
und anerkennen , als die einfache Wahrheit, daß auch der
Mensch ~ obwohl in geringerem Grade als fast alle anderen
Organismen = die Tendenz hat, sich stärker zu vermehren, als
die auf einem gegebenem Boden zu gewinnenden Nahrung-
mittel zulassen, und daß er deshalb von jeher und noch heute
dem Kampfe um das Dasein unterworfen ist.“
und auf Seite 38:
„Die Wahrheit der Malthusschen Lehre besteht also darin, daß
das anwachsen der Bevölkerung beständig die Grenze erreicht,
die das anwachsen der Subsistenzmittel zuläßt."
Die meisten von Malthus und von seinen Anhängern
aus seinen Lehren gezogenen praktischen Folgerungen
hat Lange dagegen verworfen. Besonders den Versuch,
von Staats wegen durch Erschwerung der Ehen und an-
dere Mittel die Zunahme der Bevölkerung zu hemmen.
Bei seiner Beurteilung der Arbeiterfrage hat Lange
stark unter dem Einfluß von Karl Marx und Ferdinand
Lassalle gestanden. Er hat sich nicht von einseitigen Ur-
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