Full text: Die deutsche Ölmüllerei

Die Produktionsverhältnisse in der Ölmüllerei um 1800. 27 
trübe machen, zu entfernen. Wegen dieser leichtveränderlichen 
Beimengungen nämlich bleiben die Öle nicht haltbar und werden 
leicht ranzig; auch in bezug auf die Brauchbarkeit der Öle als 
Beleuchtungsmaterial sind diese Bestandteile sehr nachteilig, da 
sie beim Verbrennen Kohle hinterlassen, während dies bei 
reinem Öle nicht der Fall ist. Um die Wende des 19. Jahrhun 
derts geschah nun die Reinigung der Öle in sehr einfacherWeise, 
indem man das gewonnene Öl in großen Behältern sammelte 
und sich dann im Laufe längerer Zeit klären ließ. Allerdings 
nahm diese Art der Reinigung ziemlich lange Zeit in Anspruch 
(ca. 14 Tage), aber sie erfüllte wenigstens ihren Zweck einiger 
maßen, während die anderen neueren Verfahren teils zu teuer, 
teils auch zu umständlich waren, um sich schnell in die Praxis 
einzuführen. 
3. Kapitel. 
Die Produktionsverhältnisse in der ÖlmUllerei um 1800. 
Wenden wir uns nach dieser einführenden Schilderung der 
um 1800 gebräuchlichen Maschinen zu dem eigentlichen Arbeits 
verfahren in den verschiedenartigen Ölmühlen. Als Betriebs 
kraft verwendete man in damaliger Zeit Menschen- oder Tier 
kraft, Wind oder Wasser und unterschied dementsprechend Öl 
schlägereien, Roßölmühlen, Wind- und Wasserölmühlen. Es ist 
ohne weiteres klar, daß die Wassermühle die fortgeschrittenste 
Form des Betriebs war; bevor ich mich ihr jedoch zuwende, 
will ich die anderen Produktionsarten behandeln und ihre ökono 
mische Bedeutung würdigen. 
Die Roßölmühlen waren gewöhnlich so eingerichtet, daß 
die Ölsamen auf einem Ölgange zerkleinert und nachher durch 
Menschenkraft in einer Handpresse ausgepreßt wurden. Der 
Ölgang wurde von einem oder mehreren Pferden, auch wohl 
Ochsen, welche in einem Tremel oder auf einem Tretrad arbei 
teten, in Bewegung gesetzt. So einfach derartige Roßölmühlen 
auch eingerichtet waren, so erforderten sie doch im Verhältnis 
zu den geringen mit ihnen erzielten Leistungen hohe Anlage- und 
vor allem Unterhaltungskosten. Die Schwierigkeit lag in der 
Übertragung der Tierkraft auf den Ölgang, welche nicht ohne
	        
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