Full text : Die deutsche Ölmüllerei

3.  Die  Produktionsverhältnisse  in  der  Ölmüllerei  um  1800.  45

Fasse  ich  die  Ergebnisse  meiner  bisherigen  Untersuchungen
noch  einmal  zusammen,  so  kann  ich  folgendes  feststellen:  Obwohl ­
  in  zahlreichen  Betrieben  über  das  ganze  Land  verbreitet,
ist  die  preußische  Ölmüllerei  um  1800  infolge  der  geringen  Produktivität ­
  der  meisten  Betriebe  nicht  in  der  Lage,  die  im  Inlande
gezogenen  Rohmaterialien  sämtlich  zu  verarbeiten  und  den  ganzen
Ölkonsum  Preußens  zu  decken.
Entsprechend  ihrer  natürlichen  Gebundenheit  an  den  Boden
wurde  die  Ölmüllerei  ursprünglich  meistens  als  landwirtschaftliches ­
  Nebengewerbe  betrieben:  die  Bauern  preßten  die  Samen
und  Früchte  mit  den  allereinfachsten  Apparaten  aus  und  benutzten ­
  das  so  gewonnene  Öl  zur  Deckung  des  eigenen  Bedarfes. ­
  Mit  dem  Aufkommen  der  Stampfwerke,  Ölgänge,  Keilund
  Schraubenpressen  wurde  die  Technik  der  Ölgewinnung  zwar
verbessert,  dem  kleinen  Landwirt  war  es  aber  nun  vielfach  nicht
mehr  möglich,  diese  verhältnismäßig  teuren  Maschinen  anzuschaffen. ­
  So  entstand,  da  natürlich  jeder  möglichst  viel  Öl  aus
seinem  Samen  gewinnen  wollte,  die  Lohnmüllerei  und  verdrängte
in  vielen  Fällen  das  Hauswerk.
Um  1800  ist  die  Lohnmüllerei  die  überwiegende  Betriebsform, ­
  und  zwar  wird  sie  entsprechend  ihren  schwer  transportierbaren ­
  Produktionsmitteln  als  Heimwerk  betrieben 27 ).  Meistens
waren  die  Lohnmüller  Gewerbetreibende,  welche  die  Ölmüllerei
als  Hauptbeschäftigung  trieben,  in  manchen  Gegenden  aber  gab
es  auch  Landwirte,  welche  die  ölstampfen  bzw.  Roßölmühlen
ursprünglich  nur  zur  Eigenproduktion  bestimmt  hatten,  sich
später  aber  zur  besseren  Ausnutzung  und  Verzinsung  der  Maschinen ­
  auch  mit  Lohnmüllerei  beschäftigten.
Neben  diesen  beiden  Betriebsformen  findet  sich  in  einigen
Gegenden  des  Staates,  so  besonders  in  den  Provinzen  Sachsen,
Rheinland  und  Westfalen,  auch  bereits  Handelsmüllerei,  wobei
häufig  ein  Teil  der  Erzeugnisse  ins  Ausland  exportiert  wurde.
Die  Technik  ist  noch  durchaus  handwerksmäßig  und  hat
sich  während  der  letzten  drei  Jahrhunderte  nur  wenig  verbessert.
Die  Schuld  an  diesem  Stillstände  ist  in  erster  Linie  den  veralteten
wirtschaftlichen  Zuständen  zuzuschreiben,  und  ist  hier  hauptsächlich ­
  das  Mühlenregal  hervorzuheben,  welches  eine  allge-I7

 )  Vgl.  die  Terminologie  in  Bücher,  „Die  Entstehung  der  Volkswirtschaft“. ­
  Tübingen  1898.  S.  142.
            
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