46 DieLage derölmüllerei in Preußen vorEinführung derOewerbefreiheit.
meine Verbreitung der technisch-vollkommensten Betriebsarten,
nämlich der Wind- und Wasserölmühlen künstlich hintanhielt.
Bei der dadurch und durch die schlechten Verkehrsverhältnisse
hervorgerufenen fast monopolistischen Beherrschung des lokalen
Marktes durch die einzelnen Ölmühlen, konnte natürlich von
einer Konkurrenz dieser Mühlen untereinander kaum die Rede
sein, und es fehlte somit für die Ölmüller jeglicher Antrieb zum
Ersinnen und zur Einführung von technischen Vervollkomm
nungen.
Auch die in den Ölmühlen beschäftigten Arbeiter haben
unter diesen Zuständen zu leiden. Ohrenbetäubender Lärm der
Maschinen, zugige und häufig auch feuchte Arbeitsräume, schwere
Arbeit — ich denke hier namentlich an das Anhalten und In
gangsetzen der Stampfer und Preßschüsser 28 ) — sowie lange
Arbeitszeit kennzeichnen ihre Lage.
28 ) Die Preß- und Lösestampfen hatten Gewichte bis zu je 500 Pfund.
Bedenkt man nun, daß das Ingangbringen und Anhalten der Stampfer bei
jeder Pressung je zweimal vorgenommen wurde, daß also bei vierzehn
stündiger Arbeitszeit und einer durchschnittlichen Dauer jeder Pressung
von 5 Minuten diese Arbeit täglich beinahe 700 mal verrichtet werden
mußte, so wird man es verstehen, daß sich nur die kräftigsten Leute zu
dieser Arbeit eigneten und diese sich, wenn sie Lohnarbeiter waren,
meistens auch nur gegen doppelte Bezahlung (Vgl. Schreiber, „Ausführ
liche Beschreibung einer neuen Ölpresse“. Königsberg u. Leipzig 1821,
S. 24) dazu herbeiließen.