58 H- D* e Entstehung und Ausbildung des Fabrikbetriebes bis 1870.
den sie unter der Presse auszuhalten haben, eine sehr starke
Abnutzung, ein Nachteil, der bei der Verpackung in Preßtrögen
usw. fortfällt; man würde also aus wirtschaftlichen Gründen
wohl bald zur ausschließlichen Verwendung von Preßtrögen
usw. übergegangen sein, wenn nicht auch die Größe der Ölausbeute
in bedeutendem Maße von der Verpackung bzw. Unterbringung
des Samenmehles abhängig wäre. Es ist klar, daß für
die Größe der Ölausbeute die Weglängen eine wichtige Rolle
spielen, welche das Öl bis zu seiner Abscheidung zu durchlaufen
hat. Auch ist es von Wichtigkeit, wie der Preßraum beschaffen
ist, in welchem sich das Preßgut befindet. Kann das ausgepreßte
Öl leicht und frei aus dem Preßraum austreten, wie dies
bei der Verpackung in Preßtüchern meistens der Fall ist, so
wird die Ausbeute bei sonst gleichen Bedingungen eine bessere
sein, als bei Pressen, bei denen das austretende Öl gewisse
Widerstände zu überwinden hat, wie in den Preßtrögen usw.
Es tritt also hier der Fall ein, daß sich Größe der Ölausbeute
und Stärke der Verpackungsmaterialabnutzung gegenüberstehen;
daraus ergaben sich für den Techniker interessante Aufgaben,
auf deren Lösung ich jedoch erst im nächsten Abschnitte eingehen
will. Erwähnen will ich hier nur gleich, daß sich auf
Grund der eben angeführten Tatsachen zwei große Gruppen
von hydraulischen Pressen herausgebildet haben, nämlich solche,
bei welchen sich das Preßgut in einem unnachgiebigen, feststehenden
oder beweglichen Behälter befindet (sogen, geschlossene
Pressen) und Pressen, bei welchen das Preßgut in Form
von Paketen, die allseitig frei bleiben, unter die Pressen kommt
(offene Pressen).
Ein weiteres Problem bildete die Frage, ob man die hydraulischen
Pressen als liegende oder stehende bauen sollte. Auch
hier hat wieder jede Form ihre Vor- und Nachteile gegenüber
der anderen; so geht bei den liegenden Pressen der Ölabfluß
leichter vor sich als bei den stehenden, und sie sind bequemer
zu bedienen, andererseits haben sie gegenüber den stehenden
Pressen den Nachteil größeren Raumbedarfs, schwierigerer Verpackung
der Samenpakete und der Notwendigkeit einer Vorrichtung
zum Rückgänge des Preßkolbens.
Ihre erste Anwendung in Ölmühlen fand die hydraulische
Presse in Deutschland im Jahre 1818, in welchem der Mechaniker
Neubauer in der Maschinenfabrik von Nathusius zu Hun-