fullscreen: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 2)

538 Sechzehntes Buch. Erstes Kapitel. 
Fürsten: sie wurden jetzt wirklich immer mehr sens du pays, 
wie sie im Bistum Lüttich hießen. Gewiß dachten sie auch 
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Steuerprivilegien; sie sorgten dafür, daß alle Lasten möglichst 
auf die ständisch nicht vertretenen Bauern abgewälzt wurden. 
Aber sie ließen sich doch ab und zu auch schon zu persönlichen 
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da, z. B. in Bayern, bestand kürzer oder länger sogar die 
Neigung, die landständische und die fürstliche Steuerverwaltung 
zu verschmelzen. Und auch wo das gegenseitige Verständnis 
von Fürst und Ständen nicht so weit ging, beachteten die Stände 
doch eine Anzahl allgemeiner Bedürfnisse des Territoriums: sie 
sahen darauf, daß der Landesherr die Unterthanen nicht mit 
Diensten überlaste; sie beschlossen mit über die Territorialsteuern 
auch der unmittelbar landesherrlichen Unterthanen; sie hielten 
auf stracken Verlauf der Rechtsprechung vor den ordentlichen 
Gerichten. So wirkten denn Stände und Fürst in verständnis— 
vollem Dualismus nebeneinander, und indem sie beide das 
Beste des Landes suchten, ergab sich für sie ein gleiches Ziel, 
die Beförderung des öffentlichen Wohles. Es ist ein Vorgang 
von großer Bedeutung: aus einzelnen Handlungen, Ansichten, 
Verständigungen heraus ward langsam der Begriff des modernen 
Staates als einer über den Parteien stehenden, objektiven, idealen 
Macht gewonnen. 
Natürlich mußte eine solche Entwicklung schon in ihren 
Anfängen zu umfassender gemeinsamer Thätigkeit, zu reicher 
territorialer Gesetzgebung führen, mochten sich dieser auch immer 
noch partikulare, bald mehr fürstliche, bald mehr ständische 
Motive einflechten. In der That sah das 16. Jahrhundert 
einen unerhörten Reichtum von Landesgesetzen; anfangs einzeln 
erlassen, sind sie später, zumeist im 17. und 18. Jahrhundert, 
in dickbändigen Kodifikationen gesammelt worden!. Sie be— 
handelten alle Materien des staatlichen und privaten Lebens, 
wie es wohl gelegentlich heißt „Gott zu Lobe und dem Fürsten 
Eine belehrende Zusammenstellung bei Ritter, Deutsche Geschi 
1, 40 Anm. 1. J sche Geschichte
	        
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