Object: Neuere Zeit (Abt. 2)

Weitere Entwicklung des Intellektualismus. 113 
einfachen Methode gelernt werden. Aber fern standen sie doch 
jeder humanistischen Begeisterung; das Wort „Ratio vicit, 
vetustas cessit* findet sich als Motto der Lehrbücher des 
Ratichius; die alten Sprachen sollten nur noch als Mittel zu 
nationalen und vernünftigen Zwecken dienen. Und diese 
Zwecke wurden zwar vorläufig noch nicht in Widerspruch zum 
Luthertum, zum neuen Evangelium gesetzt; Amos Comenius 
selbst ist letzter Bischof der mährischen Brüder gewesen; sein 
Hauptwerk, die „Didactica magna“, ist biblisch fromm und 
wütet mit dem Fanatismus eines mittelalterlichen Asketen 
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liert sich doch, soweit das in der elementaren Pädagogik 
möglich ist, die religiöse und die speziell christlich-konfessionelle 
Färbung. Schon die auf Ratichius und Comenius folgende 
Generation der Neuerer ist von ihr nicht mehr gleich ab— 
hängig; bereits Balthasar Schuppius, der Hamburger Pfarrer, 
sucht vielmehr den Zusammenhang mit den höfischen Bildungs- 
idealen; er will die Erziehung des „Weltmanns“. Und mit 
dieser Tendenz etwa hat die Strömung dann neben einer 
neuen pietistisch-pädagogischen Richtung fortgedauert, bis sie 
am Ende der Tage der Aufklärung durch Basedow und seine 
Anhänger noch einmal, aber schon unter mancher Veränderung 
durch neuere Ingredienzien, stärker und vor allem lauter her⸗ 
vortrat. 
Im übrigen aber galt, wie gesagt, für die Entwicklung 
der Geisteswissenschaften von etwa 1650 bis 1750 eine ver— 
hältnismäßig geringe Beachtung der Theologie und der empi— 
rischen Ethik. In den Vordergrund trat damit ohne weiteres 
die Ausbildung einer rationalen Staats- und Gesellschafts- 
wissenschaft. Und hier war der Gang der Dinge der, daß, 
wenn auch noch unter großem Lärm der Theologen, je 
länger je mehr die rein weltlichen und deduktiven Elemente in 
den Vordergrund traten. Es ist daher bezeichnend, daß die 
Nationalökonomie, diejenige Gesellschaftswissenschaft, die anfangs 
nur schwer ohne starke Anwendung der induktiven Methode 
Lamprecht, Deutsche Geschichte. VII, 1. 2
	        
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