Tonkunst.
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äußeren Kultur, u. a. durch stärkste Fortschritte menschlicher
Arbeitsteilung und Arbeitsvereinigung, hervorgerufen und ge—
fördert werden kann, ist selbstverständlich.
Im Verlaufe dieser Aufdeckung gleichsam der menschlichen
Seele gelangt nun jede Kultur in Phasen, in denen sie, was
sie bei günstiger Überlieferung in geschichtlicher Forschung als
einstens instinktiv empfunden und gethan erkennt, in der Praxis
der Gegenwart und des Lebens gleichsam bewußt noch einmal
entdeckt und ausführt, indem sie den allgemeinen psychischen Zu—
stand, aus dem in der früheren Zeit triebmäßig gehandelt
worden ist, nun in das Licht völlig klarer Vorstellungen hebt
und aus dieser lichtvollen Kenntnis her bewußt handelt.
Sind diese Beobachtungen richtig, so würde es sich nur
darum handeln, festzustellen, welcher Art denn gerade der
psychische Zustand ist, von dem aus in der Urzeit wie heute
die Handlungen erfließen. Es ist eine Frage, auf die die Urzeit
keine Antwort geben kann, da ihr der eigene Zustand ja eben
unbewußt war; wir werden das Problem also aus Beobach—
tungen der Gegenwart lösen müssen. Und da lautet denn die
Fragestellung: welches sind die psychischen Erscheinungen, die
gerade das heutige Zeitalter von früheren Zeitaltern trennen,
mithin für die Gegenwart charakteristisch sind?
Das jüngste große Zeitalter deutschen Seelenlebens setzt
ein mit der Empfindsamkeit und geht durch die Jahrzehnte
der Romantik hindurch zu den modernen Zuständen über, die
psychisch längst als die der Nervosität erkannt sind. Man darf
dabei mit dem Worte „Nervosität“ nicht ohne weiteres den Be—
griff des Krankhaften verbinden: es handelt sich nur um ein
uns in verstärkter Weise bewußt gewordenes Leben der Nerven,
das man deshalb vielleicht besser, da einmal das Wort „Ner—
oosität“ bestimmte Nebenvorstellungen erweckt, für den hier ge⸗
meinten Sinn mit dem Worte „Reizsamkeit“ vertauschen wird
Daß dann freilich auch in dieser, Reizsamkeit“ leicht etwas Krank⸗
haftes steckt, in dem Sinne, in dem der Arzt von Entwicklungs⸗
krankheiten spricht, — wer wollte es leugnen? Krankhaft in
diesem Sinne sind aber alle jeweils neuen seelischen Erscheinungen