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sich die Gesellschaftsform, wie dies zahlreiche Beispiele in Amerika
und England (Vinsts Companies) gezeigt haben, wohl eignet.
Die deutschen Revisionsgesellschaften stellen im Grunde eine
Verquickung des Typs der amerikanisch-englischen Trustee-Com-
pany mit der englischen Accountant-<Bücherrevisoren-)Firma unter
Anlehnung an eine Bankgruppe dar.
Hatte man bei ihrem Entstehen zunächst an die Ausübung
der Treuhändertätigkeit im Sinne des trustee gedacht, so hat man
doch bald diese Betätigung, da die sich als zu wenig umfangreich
und lohnend erwies, beiseite geschoben und die Revisionsarbeit
im weitesten Sinne als Hauptgeschäftszweig hingestellt.
Treuhandgesellschaften mit reiner Treuhändertätigkeit bilden
die Ausnahme. Die Gründer unserer Treuhandgesellschaften waren
die Konzerne unserer Großbanken; erst in jüngster Zeit gründen
sich sogen, unabhängige Gesellschaften.,,
Die aus folgender Seite stehende Übersicht gibt Aufschluß über
die „Beziehungen" der wichtigsten Gesellschaften?)
War man eigentlich unfreiwillig zur Revisionstätigkeit über
gegangen, so sollte man doch bald die Erfahrung machen, daß
der neue Boden, den man betreten hatte, wohl des Schürfens
wert war; die Banken erkannten gar bald, welch großen Nutzen
die regelmäßige und sachgemäße Kontrolle mit sich brachte.
Einmal wurde hierdurch die Kreditgewährung auf eine sichere
Basis gestellt, zum andern diente man damit der gesamten Volks
wirtschaft, als durch die Revision die Aktionäre und Gläubiger
der Bank als auch die des revidierten Unternehmens gleichsam
durch eine Versicherung gedeckt waren. Unter diesen Gesichts
punkten machten dann die Revisionsgesellschaften bald Schule, zumal
die Banken es zum Prinzip erhoben, die Kreditgewährung von dem
Urteil ihres Revisors, ihrer Treuhandgesellschaft abhängig zu machen.
In dieser Stellung haben sich die Treuhandgesellschaften
wohl bewährt und volle Anerkennung gefunden, und es kann
nicht abgeleugnet werden, daß der Bilanzvermerk einer guten
Treuhandgesellschaft immer als Empfehlungsbrief — und meines
Erachtens mit Recht — aufgefaßt wird. Zum Beweise, daß ein
gesunder Kern in diesen modernsten Schöpfungen steckt, haben
sich die Treuhandgesellschaften entgegen den Wünschen und Voraus
sagungen ihrer Gegner kraftvoll entwickelt, wie aus der immer
mehr zunehmenden Steigerung der Einnahnren aus den Revisionen
zu ersehen ist.
h über die deutschen Treuhandgesellschaften jeglicher Art gibt 9r. Paul
Gerstner eine Aufstellung im „Internationaler Volkswirt" Nr. SO, September 1911
(zurzeit dürften ca. 60 Treuhandgcsellfchaften bestehen. Der Vers.).