11
IV.
Aus dem eben Gesagten ergeben sieb die Gesichtspunkte
für die Rangordnung, die wir dem Wiederaufbau
unserer Staatswirtschaft geben müssen. Ohne eine wesentliche
Herabsetzung des geradezu ruinösen Preisstandes
aller Lebensbedürfnisse werden wir nicht in der
Lage sein, den Anforderungen zu genügen, die die schwere
Uebergangszeit an uns stellen wird- Es wäre deshalb ein
arger Mißgriff wollte man aus Rücksicht auf den Stand
unserer Währung die Einfuhr der Nahrungsmittel und
Rohstoffe drosseln, die für die Lebensbedürfnisse der
großen Masse und für die Fabrikation der Bedarfsartikel
unentbehrlich sind, oder wollte man gar die
Ausfuhr solcher Waren fördern. Davon kann nicht entschieden
genug abgeraten werden, weil solche Bestrebungen,
teilweise mißverständlich aus einseitiger Betonung
des Währungsinteresses, teilweise wohl auch von Kreisen
vertreten werden, dieglauben, in derErhaltunghoherPreise
ihren Vorteil zu finden. Selbst diese rechnen falsch: die
hohen Preise wirken, wie für sie, so auch gegen sie. Denn
dieser Schraube ohne Ende kann sich keiner entziehen;
mit den Preisen der Fertigprodukte steigen auch die Arbeitslöhne
und Gehalte, zuletzt auch die Rohmaterialien.
Und schließlich zahlt den Gewinn, den die rechte Tasche
des Industriellen und Händlers erzielt, nur dieser selbst
aus seiner linken Tasche, ganz abgesehen von der Minderwertigkeit
seines Geldes, die eben in der Höhe der Preise
ihren Ausdruck findet. Den Hauptschaden aber trägt immer
nur der sogenannte „Verbraucher“, richtig der Festbesoldete,
dessen Bezüge niemals mit den Preisen Schritt halten
können.
Also vor allem; sobald unsere Grenzen offen sind,
freie Bahn für alles, was unsere Wirtschaft benötigt! Keine
Einschränkung — außer für Luxusgegenstände —, keine
Rohstoffzentralen, die dem Einzelnen das Maß seiner industriellen
Betätigung vorschreiben wollen! Sogar der Zollschutz,
dessen ein Teil unserer Industrie sicherlich in normalen
Zeiten bedarf, kann für die Uebergangszeit von
Uehel sein — erst muß der erste Hunger nach allen Bedarfsartikeln
einigermaßen gestillt, erst muß der Verkehr
mit den Waren, die uns gefehlt hatten, gesättigt sein, ehe
an den Schutz einzelner Erwerbszweige gedacht werden
kann. Daß übrigens auch bei Zulassung der Einfuhr auf die
v aluta Bedacht zu nehmen möglich ist, soll gezeigt werden.