Object : Grundzüge der Sozialpolitik

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II.  Teil.  Arbeiterwohlfahrtspolitik.

zeigt  sich  u.a.  in  der  von  der  Zeitschrift  „Stahl  undEisen“  1901  berichteten
Tatsache,  daß  in  einem  englischen  Eisenbezirk  die  Hochofenarbeiter  1900
wegen  der  Preissteigerung  eine  Lohnerhöhung  um  18  %,  vom  7.  Januar
1901  an  wegen  Preisermäßigung  eine  Lohnherabsetzung  um  2  tyt  °/o  erfuhren. ­
  Die  gleitende  Lohnskala  hat  ihr  Hauptanwendungsgebiet  in
der  englischen  und  amerikanischen  Kohlen-  und  Eisenindustrie  gefunden ­
  und  ist  in  der  jüngsten  Zeit  auch  in  einem  französichen  Kohlenrevier ­
  eingeführt  worden.  In  England  wurden  gleitende  Lohnskalen
schon  in  den  60  er  Jahren  des  19.  Jahrhunderts  von  den  Unternehmern
angewendet.  Seit  den  70  er  Jahren  wurde  sie  durch  Vereinbarung
zwischen  Verbänden  der  Unternehmer  und  Arbeiter  für  englische  und
amerikanische  Keviere  zur  Geltung  gebracht;  an  wiederholten  Umgestaltungen ­
  hat  es  nicht  gefehlt.  Die  Einführung  einer  Untergreuze
•für  das  Sinken  der  Löhne  hat  erst  seit  dem  großen  Kohlenarbeiterstreik ­
  (1893)  Verbreitung  gefunedn.  Die  Blütezeit  der  Skala  fällt  in
die  80  er  Jahre;  doch  sind  nie  besonders  große  Arbeitermassen  andern
System  beteiligt  gewesen.  In  England  wird  die  höchste  Arbeiterzahl,
die  zeitweilig  nach  den  gleitenden  Lohnskalen  entlohnt  wurde,  auf
200  000  angegeben.  Die  meisten  englischen  Skalen  haben  bis  Ende
der  80  er  Jahre  Bestand  gehabt.  Ganz  sind  sie  indes  weder  in  England ­
  noch  in  den  Vereinigten  Staaten  verschwunden.  Ihre  gegenwärtige ­
  Verbreitung  läßt  sich  nicht  genau  feststellen.
Durch  die  Einführung  einer  Untergrenze  für  das  Sinken  der  Löhne
suchte  man  dem  Hauptmißstand  der  früheren  Form  entgegenzuarbeiten.
Er  bestand  darin,  daß  die  Unternehmer  behufs  Erlangung  großer  Lieferungen ­
  ihre  Preise  sehr  heruntersetzten,  weil  sie  sich  durch  die  spätere
Lohnherabsetzung  infolge  der  gleitenden  Skala  einen  Ausgleich  schaffen
konnten.  Der  weitere  Nachteil,  daß  das  Lohneinkommen  der  Arbeiter
häufigen,  oft  erheblichen  Schwankungen  unterliegt,  hat  sich  freilich ­
  nicht  beseitigen  lassen.  Es  gehört  eine  nicht  geringe  Reife,  Einsicht ­
  und  Selbstzucht  der  Arbeiter  dazu,  um  nicht  durch  solche  Schwankungen ­
  auf  die  Dauer  empfindlich  benachteiligt  zu  werden.  Im  übrigen
hängt  die  praktische  Bedeutung  des  Systems  wesentlich  von  dem  Ausmaß ­
  des  Standardpreises  und  des  Standardlohnes  ab.  Um  diese  Grundlage ­
  des  ganzen  Systems  sind  heiße  und  leidenschaftliche  Kämpfe  geführt ­
  worden,  während  man  von  der  gleitenden  Lohnskala  gerade  eine
vorbeugende  Wirkung  gegen  solche  Kämpfe  erwartete  und  zum  Teil
noch  erwartet.
Daß  gleichwohl  auch  günstige  Erfahrungen  mit  dem  System  gemacht ­
  worden  sind,  ist  bekannt.  Es  kommt  eben  hier  wie  in  allen  solchen
Fragen  auf  die  besonderen  Voraussetzungen  an,  unter  denen  die  Anwendung ­
  vor  sich  geht.  Eine  allgemeine  Verwendbarkeit  kommt  dem
System  nicht  zu.  Je  höher  der  Anteil  des  Lohnes  an  den  Produktions ­
            
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