Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

M. Frauen und Kinder in den Gewerben. 739 
äusserst gewöhnlich ist“, wie nicht nur die Reden der Kinder auf offener 
Strasse, die oft ganz entsetzlich sind, beweisen, sondern auch das häu- 
Gge Zusammengehen zweier Kinder verschiedenen Geschlechts, ohne dass 
andere dabei wären, wie man es ‚gewöhnlich Abends sieht. Die Vor- 
übergehenden werden manchmal von dieser Jugend auf das Gröblichste 
beschimpft und mit Schmutz bombardirt. Verbrechen und Gewaltthätig- 
keiten sind, was Niemand nach diesen Angaben Wunder nehmen wird, 
in Sheffield gewöhnlich, und die Berichte der Polizei sowie die Todten- 
schau bestätigen es nur zu sehr. Der Sub-commissioner erzählt, dass 
im ersten Jahre nach seinem Besuch die Stadt nach einem organisirten 
Plan angezündet und geplündert werden sollte und nur durch die An- 
zeige eines Mannes gerettet wurde. Die Haupträdelsführer dabei waren 
Knaben und erst halberwachsene junge Männer. 
2, Die Erziehung des weiblichen Geschlechts. 
Children’s Employment Report II, 1843, S. 175 ff. 
Es ist kaum möglich, genügend auszudrücken, welch unsägliches 
Elend, welche häusliche und äussere Noth sich allein auf die so mangel- 
hafte Erziehung des weiblichen Geschlechts zurückführen lässt. Die Be- 
schäftigung der Mädchen von früher Kindheit an in Werkstätten, Fabri- 
ken oder Gruben nimmt ihnen Zeit und Gelegenheit, sich häusliche Fähig- 
keiten anzueignen und macht sie untauglich zu allem, was im spätern 
Leben ihre Hauptaufgaben sind: zur ordentlichen Führung des Haushalts, 
zur verständigen Pflege von Mann und Kind. Sie können nicht ordent- 
lich kochen und sehr selten etwas nähen oder flicken. Die schimmsten 
Folgen aber entstehen für ihre Familie aus ihrer totalen Unfähigkeit, den 
Maushalt mit den Mitteln, welche der Verdienst des Mannes schafft, gut 
ınd sparsam zu führen, das Erworbene gut anzuwenden, anstatt unnütze 
Ausgaben zu machen, indem sie die Arbeit, die im Hause geschehen 
könnte und sollte, wie Kleidermachen und Flicken, auswärts thun lassen 
und dafür bezahlen müssen. Diese unordentliche Wirthschaft treibt den 
Mann aus dem Hause und in die Schenklocale. Im Horne Report, App. 
Pt. IL. finden wir die Ansicht, „dass es in jeder Hinsicht noch wichtiger 
sei, dass die Frauen gebildet erzogen würden, als die Männer, deumn sie 
haben höhere und wichtigere Pflichten zu erfüllen, indem sie ihre Kinder 
aufziehen und sie gute Sitten lehren.“ — „Viele dieser Frauen können 
zeinen Riss stopfen oder zusammenflicken; aber da, wo wir im Stande 
waren, dem weiblichen Geschlecht eine gute häusliche Erziehung ange- 
leihen zu lassen, zeigten sich die guten Folgen viel deutlicher wie bei 
len Männern.“ — Denselben Ursachen, dem schlechten Kochen, der Ver- 
nachlässigung der Kinder, dem Mangel jeglicher Behaglichkeit im Hause 
ist es zuzuschreiben, dass die Familienbande sich lockern und der‘ Mann 
sich schliesslich dem Trunke ergiebt. Die Männer beklagen sich selbst 
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