Full text : Der Pommersche Landbund

wenn  man  mit  ihnen  verhandelt,  und  dann  gehen  dieselben  Leute  nach
einigen  Tagen  hin  und  denunzieren  einen.  Das  beweist  ein  Anstandsgefühl,
für  das  ich  —  trotzdem  ich  nicht  die  Vorbildung  genossen  habe,  wie  angeblich
jene  Leute  —  kein  Verständnis  habe.
Daraufhin  ging  es  dann  los  in  Pommern.  Ich  kgnn  feststellen,  daß  es
bis  znm  Juni-Juli  in  Pommern  ebenso  ruhig  war,  wie  anderwärts  in
Deutschland.  Dann  aber  kam  die  maßlose  Hetze  gegen  den  Deutschen  Landarbeiter-Verband, ­
  die  Flugblätter,  die  auch  in  den  4.  Klassewagen  der
Eisenbahn  angeklebt  waren:  „Landarbeiter,  Ihr  müßt  Euer  Deputat  fordern." ­
  In  einem  Flugblatt  des  Pommerschen  Landbundes  werden  die
Tarife,  die  wir  abgeschlossen  haben,  mit  den  leider  viel  zu  niedrigen  Sätzen
(sehr  richtig!),  weil  die  Organsation  noch  nicht  stark  genug  war,  ausgeschlachtet ­
  und  nian  sagt  den  Arbeitern:  „Seht,  wenn  Ihr  Euer  Deputat
voll  bekommt,  und  könnt  die  Produkte  im  Schleichhandel  verkaufen,  dann
würdet  Ihr  2000  bis  3000  Mk.  einnehmen."  —
In  der  Frage  der  Deputatlieferung  stehen  wir  auf  dem  Standpunkt,
daß  den  Landarbeitern  ein  möglichst  hohes  Deputat  gegeben  ivird.  Aber
wir  haben  auch  Rücksicht  zu  nehmen  auf  unsere  Arbeitsbrüder  un  den
Städten  und  aus  die  allgemeine  Volkswirtschaft.  Die  Christlichen  verbreiten ­
  heute  überall  Flugblätter,  daß  sie  dafür  gesorgt  hätten,  daß  das  Deputat
für  die  Landarbeiter  frei  gegeben  wird.  In  Mecklenburg  gibt  es  laut
Tarif  52  Zentner  Deputat,  das  ist  ein  Zentner  Getreide  pro  Woche.  Demgegenüber ­
  denkt  daran,  was  in  den  Städten  die  Arbeiterfamilien  an  Brot
bekommen!  Wir  wissen,  daß  die  Landarbeiter  ihr  Deputat  nicht  alles  selbst
verzehren  wollen.  Sie  wollen  ihre  Viehzucht  hochbringen.  Es  wird  auch
eine  Verordnung  herauskommen,  wonach  den  Landarbeitern  mehr  Deputat
gegeben  werden  'kann.  Aber  so  voll  und  ganz  kann  man  diese  Forderungen
auf  völlige  Freigabe  nicht  vertreten.  (Zuruf:  Das  wollen  die  Landarbeiastch
  gar  Nicht!)  Ich  will  nur  sagen,  daß  man  den  Landarbeitern  in  Flugblättern ­
  vorredet:  „Seht,  wenn  Ihr  Euer  Deputat  voll  bekommen  würdet,
wenn  Ihr  sechs  Gänse  verkaufen  könntet,  würdet  Ihr  dafür  allein  600  Mk.
bekommen,"  und  dann  heißt  es:  „Wer  hat  Euch  belogen,  zum  zweiten  und
dritten  Mal  belogen?  Der  Deutsche  Landarbeiter-Verband!"  Das  ist  eine
ganz  demagogische  Hetze,  die  auf  die  allgemeine  Volkswirtschaft  gar  keine
Rücksicht  nimmt,  sondern  nur  den  persönlichen  Eigennutz  aufstachelt.  Dann
heisst  es  weiter:  „Wir  fragen  weiter,  wo  bleibt  der  Landarbeiter-Verband,
lvarum  nimmt  er  uns  nicht  gegen  ehrenrührige  Angriffe  der  Regierung  in
Schutz?"  Da  wird  der  Genosse  Braun  ausgespielt  gegen  Robert  Schmidt,
weil'beide  in  der  Frage  verschiedener  Ansicht  sind.  Dann  heißt  es  weiter:
„Wo  bleibt  der  Landarbeiter-Verband?  Um  die  Erhöhung  des  Tagelohnes
um  50  Pf.  und  1  Mark,  da  hat  er  ein  Wesen  genmcht,  als  sei  der  grösste  Sieg
erfochten.  Aber  in  der  Deputatfrage  dürfe  er  aus  Sorge  für  die  städtische
Arbeiterschaft  nichts  tun.  Wir  aber,  wir  holen  Euch  das  ganze  Deputat
heraus"  wird  im  Flugblatt  geschloffen.
Dann  haben  im  Juli  in  Pommern  Haussuchungen  stattgefunden  in  der
Landwirtschaftskammcr  in  Stettin  und  in  anderen  Städten.  Ich  Muß  bedauern, ­
  daß  damals  nicht  von  der  Regierung  mit  Entschiedenheit  zugegriffen ­
  wurde,  wie  das  notwendig.gewesen  wäre.  Wenn  ich  diesen  Vorwurf ­
  erhebe,  so  will  ich  nicht,  daß  die  heutige!  Konferenz  dazu  ausarten  soll,
die  Regierung  herunter  zu  machen,  daß  sie  nichts  getan  habe.  Was  wir
heute  wollen,  ist  in,  wesentlichen  Material  zusammentragen  und  daran  zu
denken,  was  wir  in  Zukunft  zu  tun  haben.  Ich  will  aber  nicht  unterlassen,
hier  zu  sagen,  daß  die  Regierung  damals  bte:  Gefahr,  vor  der  sie  stand.
            
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