474 Kap. XII. Einleitung zur Theorie der Konjunkturbewegungen.
heit, des vorliegenden statistischen Materials geboten. Aber auch innere
ründe sprechen dafür. Erst von der genannten Zeit an entwickelt
sich eine Weltwirtschaft von so einheitlicher Natur, daß es überhaup
möglich ist, sie als Ganzes zu betrachten. Erst von derselben Zei
an sind die älteren Wirtschaftsformen allgemein und definitiv über
wunden und durch die moderne Tauschwirtschaft und arbeitsteilige
roduktion ersetzt, sowie auch die moderne Produktions- und _Trans-
orttechnik ausgebildet. Von dieser Zeit an endlich scheinen gewisse
ältere Krisenformen und Krisenursachen im wesentlichen überwunden
zu sein und der moderne Typus der Krise und. der Auf- und Nieder-
gangsperiode in bestimmteren Zügen hervorzutreten.
Krisen, im allgemeinen Sinne von heftigen Störungen des Wirt-
chaftslebens, können natürlich sehr verschiedener Natur sein. In der
Geschichte treten sie vorzugsweise in Verbindung mit größeren wirt
chaftlichen Umwälzungen oder mit neuen Einrichtungen und Verhält-
nissen hervor, zu deren richtiger Handhabung und Beherrschung die
wirtschaftende Menschheit erst durch längere Erfahrung erzogen
werden muß. So z. B. hat die Entwicklung der Geldwirtschaft un-
ählige Krisen veranlaßt, die auf Mißgriffe in der Handhabung des
Münzwesens oder der Notenemission zurückzuführen sind. Krisen sind
erner entstanden durch Mißbräuche. des Kredits, vor allem vielleicht
es Staatskredits, oder besonderer Kreditinstrumente, wie des Wechsels
ie weiten Möglichkeiten, die die Börsen oder das beginnende Aktien-
wesen der Spekulation gaben, wurden ebenfalls besonders in der ersten
eit zu groben Mißbräuchen ausgenutzt, was wiederholt zu den heftigsten
risen geführt hat. Die Ausdehnung des westeuropäischen Handels-
ebiets auf die ganze Welt bezeichnete eine solche Veränderung der
estehenden wirtschaftlichen Verhältnisse, die manche Krisen hervor-
ufen mußte, ehe die Geschäftswelt die neuen Bedingungen ihrer Tätig-
eit richtig erfaßt und sich an sie angepaßt hatte. Der beginnende
xport von Europa nach den Kolonialländern zeichnete sich durch
inen geradezu erstaunlichen Mangel an Kenntnis der Bedürfnisse
und Kaufmöglichkeiten der fremden Weltteile aus. Dieser Umstand
ist in Verbindung mit der Langsamkeit des Nachrichtenwesens für eine
eihe von großen Handelskrisen sowohl im 18. Jahrhundert wie auch
in der ersten Hälfte des 19. verantwortlich. Auch Umwälzungen der
infuhrbedingungen für Waren aus den Kolonialländern nach Europa
aben Krisen veranlaßt, von denen die der europäischen Landwirt-
schaft am Ende des 19. Jahrhunderts die wichtigste und bekannteste
ist. Daß die großen modernen Umwälzungen der Produktionstechnik
ich nicht ohne ernste Krisen haben vollziehen können, ist nur selbst-
erständlich, und besonders in einer Reihe von verschiedenen Berufen
beim Übergang von Handarbeit zu Maschinenarbeit in betrübender
eise bestätigt worden. Neben den genannten Umständen kommt eine