Full text : Der Pommersche Landbund

Ktabund  einen  50-Markscheiii  in  die  Hand  drückten,  um  ihn  zu  bestimmen,
daß  keine  Schlichtungsausschuß-Sitzung  stattzufinden  brauche.  Er  hat
ihnen  die  richtige  Abfuhr  zuteil  werden  lassen,  indem  er  sich  umdrehte  und
sie  stehen  ließ.  Also  dieselben  Arbeitgeber,  die  zuerst  mit  dem  schwersten
Geschütz  gegen  Klabund  aufgetreten  waren,  und  jede  Takifverhandlung  ablehnten,
  wenn  er  dabei  wäre,  haben  ihm  kurz  darauf  50  Mark  in  die  Hand
drücken  wollen!  .—  In  Stolp  haben  wir  es  mit  dem  Hinterpommerschen
Landwirte-Bereiu  zu  tun.  Als  wir  eine  Besprechung  mit  ihnen  hatten,
wegen  der  Arbeitsgemeinschaft,  sagte  der  Führer  von  Below,  wir  müßten
unbedingt  zur  Arbeitsgemeinschaft  kommen.  Kaum  14  Tage  später  wurden
aus  seinem  Gute  so  und  so  viele  Arbeiter  entlassen.  Theorie  und  Praxis!
Auf  der  einen  Seite  will  man  die  Arbeitsgemeinschaft,  um  zu  Ruhe  und
Frieden  zu  kommen,  auf  der  andern  Seite  wirst  man  die  Leute  auf  die
Straße.  So  sehen  die  führenden  Leute  im  Hinterpommerschen  Landwirte-Verein
  und  im  Pommerschen  Landbund  aus.  Dieser  sagt  immer,  er  wäre
eine  rein  wirtschaftliche  Organisation.  Das  trifft  nicht  zu.  Aus  allen
Flugblättern  geht  hervor,  daß  es  sich  um  politische  Treibereien  handelt.  —
In-  Belgard  haben  die  Arbeitgeber  auch  alles  getan,  um  die  Verhandlungen ­
  zu  verschleppen.  Nachdem  man  sich  schließlich  mit  vieler  Mühe
über  die  Sätze  einig  geworden  war,  erklärten  die  Arbeitgeber,  sie  könnten
den  Tarif  nicht  unterzeichnen,  sie  müßten  ihn  noch  ihren  Auftraggebern  unterbreiten. ­
  Von  uns  verlangten  sie  eine  Kaution  von  300  000  Mk.  Hier
ist  der  Herr  von  Kleist  der  ausgesprochene  Führer  der  Arbeitgeber,  der  sich
durch  sein  diktatorisches  Benehmen  hervortut.  Schließlich  entwickelten  sich
die  Tinge  ä  la  Schivelbein,  es  mußte  zur  Explosion  kommen.  Wir  haben
den  Streik  nicht  veranlaßt,  der  Streik  mußte  infolge  der  ungeklärten  Lage
aus  sich  heraus  kommen.  Auf  44  Gütern  haben  die  Kollegen  gestreikt,  die
Schuld  lag  wiederum  am  Pommerschen  Landbund.  Wir  wollen  nicht
prophezeien,  aber  fest  steht,  daß  wir  in  Pommern  einer  ganz  ernsten  Zeit
entgegengehen.  Bisher  standen  uns  zwei  Organisationen  gegenüber,  der
Verein  der  Hinterpommerschen  Landwirte  und  der  Pommersche  Landbund.
Jetzt  ist  der  Verein  tzinterpommerscher  Landwirte  nicht  mehr  vorhanden,
er  ist  untergetaucht  im  Pommerschen  Landbund.  Nicht  die  gemäßigte  Richtung, ­
  sondern  die  schärfere  Richtung  hat  die  Oberhand  behalten.  Der
Führer  ist  Herr  von  Kleist.  Aber  auch  die  gemäßigtere  Richtung  ist  nicht
dafür,  Arbeitsgemeinschaften  auf  paritätischer  Grundlage  abzuschließen.
Wenn  es  also  nicht  dazu  kommt,  ist  es  nicht  unsere  Schuld.  Es  liegt  uns
fern,  irgend  eine  Drohung  auszusprechen.  Wir  haben  immer  auf  dem
Standpunkt  gestanden,  daß  wir  selbst  Werte  produzieren  müssen,  weil
Deutschland  nicht  das  vom  Ausland  bekommt,  was  es  zum  Unterhalt  seiner
Wirtschaft  braucht.  Wir  haben  unser  Möglichstes  getan,  um  zu  einer  Verständigung ­
  mit  den  Arbeitgebern  zu  kommen,  da  es  nicht  möglich  war,  fällt
die  Schuld  ans  jene  Leute  zurück.  Wir  werden  mit  schwerer  Sorge  in  die
nächsten  Tarifverhandlungen  eintreten.  Kollege  Schmidt  hat  recht,  wir
müssen  den  Dingen  nüchtern  gegenübertreten,  damit  wir  nicht  in  bolschewistische ­
  Verhältnisse  hineinaeraten.  Das  müssen  wir  tun  aus  Vernunftgründen
  im  Interesse  der  Arbeiterbewegung.  Die  Waffe,  die  uns  zur  Verfügung ­
  steht,  wird  unwirksam  gemacht,  wenn  es  an  den  verschiedensten
Stellen  aufloht.  Unbedingte  Geschlossenheit  auf  unserer  Seite  ist  notwendig. ­
  Wir  können  den  Leuten  nicht  imponieren,  wenn  wir  ihnen  ein  Bild
der  Zerrissenheit  zeigen,  sondern  nur  durch  unsere  Geschlossenheit.  —-  Nun
ist  die  Frage,  wie  können  wir  die  Dinge  ändern.  Damit  müssen  mir  uns
bei  Zeiten  beschäftigen,  damit  wir  nicht  vor  vollendeten  Tatsachen  stehen.

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