Mörtelträger in Detroit erhalten 75, der Mann am laufenden Bande
bis zu 77 Cent.) Immerhin sei zugegeben, dass die Arbeitsbedin-
gungen in den Fordwerken auch bei schlechter Konjunktur eine
gewisse Beständigkeit zeigen und Ford nicht jeden Lohndrücker-
feldzug des Unternehmertums mitmacht.
Und nun zu anderen Widersprüchen zu der These von der
Regelung der Lohnhöhe durch Angebot und Nachfrage in Amerika:
Wir zeigten vorhergehend schon das Beispiel der Bekleidungs-
arbeiterinnen, in deren Arbeitsbedingungen ein sehr schädlicher
Anarchismus herrschte, die in neun- und zehnstündiger Arbeitszeit
für 12 Dollar und weniger in der Woche ausgebeutet wurden, bis
sie sich zur Schaffung einer Organisation aufrafften, die dem
wüsten Widerspiel ungleicher Kräfte ein gründliches Ende bereitete,
so dass diese Frauen heute bei durchweg 44stündiger Wochen-
arbeit es auf den Lohn eines gelernten Arbeiters der Metallindustrie
bringen. Sie haben in Chicago einen Durchschnittslohn von 33 und
verdienen stellenweise bis zu 50 Dollar. Wer wollte behaupten,
dass diese Besserstellung lediglich „nach der Konkurrenzfähig-
keit“ und „mit der Konjunktur“ eingetreten wäre? Nicht einmal
technischen Fortschritt kann man in diesem Gewerbezweig wesent-
lich in Anrechnung bringen, sondern fast ausschliesslich die Be-
endigung einer hemmungslosen Ausbeutung durch die vereinte
Kraft zielbewusster Arbeitsmenschen.
Diese Beispiele können wir allein schon aus unseren eigenen, in
Amerika gemachten Erfahrungen um etwas ergänzen: Die un-
organisierten Bergleute des Südstaates Kentucky verdienen fast
genau die Hälfte dessen, was ihren Kollegen in dem fortgeschritte-
neren Staat Illinois gezahlt wird, wo die Bergleute und manche
andere Arbeitergruppen so gut wie restlos organisiert sind. Nicht
„Konkurrenzfähigkeit“ und „Konjunktur“ machen diesen Unter-
schied (und auch die Differenz in den Kosten der Lebenshaltung
nur zu einem recht geringen Teil). Das entscheidende ist vielmehr
die Ausbeutung der Neger im gewerkschafts,freien“ Süden und der
Kampf der Gewerkschaften gegen die Ausbeutung im Norden.
Ein anderes Beispiel: Der organisierte Former und Metall-
giesser verdient in Cincinnati, Philadelphia, Chicago, New
York im Durchschnitt bei achtstündiger Tagesarbeit (nicht
Akkordarbeit!) 7,29 Dollar. Um 15 bis 20 Prozent weniger
(und zwar bei täglich neun Stunden Arbeit!) verdient der Un-
organisierte in diesen gewerkschaftlich „durchsetzten“ Distrikten.
Dagegen erhält der Former und Metallgiesser im Staate
Minnesota mit seiner unzulänglichen Gewerkschaftsorganisation
einen täglichen Durchschnittslohn von 6,50 Dollar, ebenfalls meist
bei neunstündiger Arbeitszeit, und im Süden bis herunter zu 5,50
Dollar. Wiederum: Der junge Mechaniker in St. Paul im Staat
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