Full text: Der Pommersche Landbund

die Arbeiter derartig gezwiebelt hat, daß ihnen schließlich die Lust vergeht, 
dann komme man doch nicht hinterher und suche alle Schuld dem Deutschen 
Landarbeiter-Verband anzuhängen. 
So könnte ich zur Vorgeschichte der gegenwärtigen Lage in Pommern 
noch manches anfuhren. Ich will nur sagen: Fragen Sie sich doch einmal, 
warum wir uns immer mit Pommern beschäftigen müssen, warum aus der 
Provinz Sachsen, aus Schlesien und anderen Provinzen diese Klagen nicht 
kommen. Warum hören wir aus dem Agrarland Mecklenburg nicht solche 
Alarmnachrichten? Weil dort die Arbeitgeber vernünstger sind und mit der 
Arbeiterschaft über den Tarif verhandeln. Aber in Pommern versucht man 
mit allen Mitteln die Organisation zu verhindern. 
Ich will den Nachweis führen, wo überall Maßregelungen stattgefunden 
haben. Ich bin dazu gezwungen, weil man mit allen Mitteln versucht, es 
in der Öffentlichkeit so hinzustellen, als ob es sich gar nicht uni Maßrege 
lungen handle. Ich habe gestern im Vorwärts geschrieben, daß Herr von 
Dewitz selbst habe zugegeben, daß 7000 Maßregelungen unter der Arbeiter 
schaft in Pommern beabsichtigt waren. Wenn diese unerhörte Zahl nicht 
errreicht wurde, dann nur deswegen, weil ein Teil der Arbeitgeber zu ver 
nünftig ist, um alle Maßnahmen durchzuführen, die einige Hitzköpfe ausführen 
wollen. Ich weiß wohl, daß vielen Mitgliedern dieses Hauses das Vorgehen 
der Herren in Pommern nicht angenehm ist. Aber versuchen Sie doch, auf 
diese Herren einzuwirken. Die Forderungen, die die Landarbeiter in Pom 
mern stellen, sind nicht höher als anderswo. Da, wo man sich mit den Ar 
beitern pn den Verhandlungstisch setzt, ist es möglich, in sozialen und auch 
in berufswirtschaftlichen Fragen eine Verständigung herbeizuführen. Das 
wollen wir, die wir selbst mit dem Widerstand der Arbeiter in den Städten 
zu kämpfen haben, auch. Das lasten sich aber die Arbeiter nicht nehmen, daß 
ihnen das Recht genommen wird, sich zu organisieren. (Es folgen dann 
Einzelschilderungen der Maßregelungen.) 
Meine Damen und Herren! Ich kann die Aufmerksamkeit des Hohen 
Hauses nicht gar zu lange in Anspruch nehmen, sonst könnte ich noch lange 
reden; den ganzen Tag könnte ich reden, und ich würde immer noch nicht 
fertig sein, wenn ich alle die Fälle schildern wollte, in denen Arbeiter ent 
lassen werden, die 10, 20, ja 40 Jahre in der Landwirtschaft beschäftigt sind, 
weil sie den Mut haben, sich zu organisieren. Dann kommt man und redet 
von der Sicherung der landwirtschaftlichen Produktion, wo man die einge 
arbeiteten Arbeiter aus dem Dienst entläßt und dadurch schon eine Be 
unruhigung in der landwirtschaftlichen Produktion eintritt, weil die Arbeiter 
ihre Kündigung voraussehen und wissen, daß sie zu einem gewissen Zeitpunkt 
das Land verlassen müssen. Wo sollen denn die Leute hin. Ganz mit Recht 
schreiben die Arbeiter aus Pommern: Es müßten ja wahre Völkerwande 
rungen entstehen, wenn alle diese Kündigungen zur Tatsache werden würden. 
In den Städten ist kein Platz, die städtischen Arbeiter sind froh, wenn sie ' 
selbst unterkommen, und da entläßt man die Arbeiter und will sie rücksichtslos 
aus der Arbeit herausziehen. 
Man spricht davon, daß spartakistische Unruhen vorkommen. Ja, wenn 
man diesen Sachen nachgeht, dann wird man finden, daß die Arbeiter dazu 
getrieben wurden. Und heute heißt es ja immer: es sind Spartakisten, wenn 
ein Arbeiter seine Rechte wahrzunehmen sucht. Uebrigens wenn man von 
der Wohnungsnot spricht, so ist es ja ganz eigenartig, daß es dem Pommer- 
schen Landbund gelungen ist, in Stettin Müllers Hotel für sich mit Beschlag 
zu belegen. Die Reisenden müssen nachts in Stettin herumlaufen und finden
	        
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