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in der Landwirtschaft als einen Schaden für die deutsche Volkswirtschaft an
sehen. Aber das wird eben von den agrarischen Kreisen ausgenutzt. Ich
erhielt dann das Protokoll von dieser Sitzung übersandt mit dem Vermerk,
ob ich gegen die Widergabe meiner Ausführungen in. dieser Form etwas
einzuwenden hätte. Ich habe daraus nicht geantwortet, und später erschie
nen dann diese meine Ausführungen im Nachrichtenblatt des Deutschen
Landbundes in einer völlig entstellten Form, in dem Sätze zwischengeschoben
waren, die ich nicht gesagt hatte. Es heißt da unter anderem: „Aus die
weitere Frage, ob der Landarbeiter-Verband darauf hinwirken wolle, daß
bei Streiks unter allen Umständen für die Viehpflege weiter gesorgt werde,
daß Erntestreiks nicht vorkommen sollten, erklärte er, daß auch im Streik-
falle unbedingt die notwendigen Arbeiten gemacht werden müßten." Nun
habe ich mich tatsächlich nur dahin ausgesprochen, daß wir, wenn es zum
Streik kommt, wollen, daß das Vieh gefüttert und gemolken wird, habe mich
aber niemals dahin ausgesprochen, daß wir Erntestreiks auf alle Fälle ver
meiden. So sehr wir dafür eintreten, daß Streiks vermieden werden, so
wäre ich doch nicht wert, an dieser Stelle zu stehen, wo mich die Kollegen
hingestellt haben, wenn ich den Landarbeitern das Streikrecht prinzipiell
verwehren wollte. Daraufhin war ich gezwungen, in den Mitteilungen des
Deutschen Landarbeiterverbandes am !. Juli eine Erklärung zu meinen
Ausführungen zu geben. Ich stellte darin fest, daß die Herren mich in
dieser Sitzung gewissermaßen herausgefordert haben, daß sie es dann für
ihre Zwecke ausgenutzt haben und zum Schluß heißt es: „Wir empfehlen
den Arbeitgebern von dieser Erklärung den Gauleitern und sonstigen
Verhandlunggführern gegenüber Gebrauch zu machen. Im Falte von
Verhandlungen der Arbeitnehmer und ihrer Vertreter, die gegen diese Ge
sichtspunkte verstoßen, bitten wir um sofortige genaue Mitteilung vom Ort
des Vorfalles und der Namen der Hauptbeteiligten." Also es liegt an sich
schon eine unreelle Handlungsweise vor, wenn man solche Aeußerungen
eines Vertreters unseres Verbandsvorstandes in entstellter Form in die
Presse gibt. Aber es ist noch etwas anderes in dieser Sitzung vorgekom
men. Der Verlagsbuchhändler Hillger kam während der Verhandlungen
an mich heran und sagte: „Herr Schmidt, Wollen Sie nicht den gelben Land
arbeiter-Verband in diese Arbeitsgemeinschaft mitausnehmen, von den
Christlichen wollen wir ja auch nichts wissen." Das
beweist schon die Iluehrlichkcit dieser Kreise, denn draußen im Laude ar
beiten sie mit den Christlichen zusammen. Dazu ein anderes: Dieser Herr
von Dewitz, der am 16. Mai an diesen Verhandlungen teilgenommen hat,
als Führer des Pommerschen Landbundes, als Geschäftsführer oder Direk
tor, wie er sich nennt,—• diese Leute müssen ja immer einen Titel haben —
richtet am 21. Mai d. I., also fünf Tage nach der Verhandlung,
von Stettin ein Schreiben an den Ministerpräsidenten Scheidemann
und betrieb darin eine unverschämte Verhetzung und Verdächtigung
des Deutschen Landarbeiter-Verbandes. (Hört! Hört!) In diesem
Briefe heißt es, die Führer des Deutschen Landarbeiter-Verbandes seien
vom bolschewistischen Geist durchtränkt, die Kreisvcrtrauensleute forderten
draußen im Lande zum Streik auf, sagten den Arbeitern: Ihr müßt strei
ken, streiken und nochmals streiken, und wenn das Vieh dabei verhungert!
Zum Schluß wird Scheidemann und die Regierung aufgefordert, dafür zu
sorgen, daß den Landarbeitern das Streikrecht wieder genommen wird.
Das ist ein unverschämtes und unehrliches Verhalten jener Kreise: Erst
wird man veranlaßt, an jener Verhandlung teilzunehmen, und tut das in
dem Vertrauen, das man nun einmal den Kreisen entgegenbringen muß,