fullscreen: Organisation

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II. Akratie und Aristagie. 
der Leitung, mit Anwendung nur des nötigsten Zwan 
ges. 
Geht man auf diese Deutung ein, so ergibt sich der 
Sinn der neuen Wortbildungen fast von selbst; speziell 
der erste negative Begriff ist leicht klar. Während eine 
wirkliche, konsequent durchdachte Anarchie zu Unmög 
lichkeiten führt, liegt in dem Wort Akratie' der Ge 
danke, der manchem unerbittlichen Kopf die Anarchie 
erträglich erscheinen ließ; ich denke da z. B. an den 
christlichen Anarchisten Leo Tolstoj. „Niemand soll ab 
solute, unbedingte, uneingeschränkte Gewalt über Le 
ben und Tun eines anderen Menschen haben" — so 
etwa möchte ich den Sinn von Akratie in einen Satz 
auflösen. Das ist dann nicht nur ein mögliches Ideal, 
sondern scheint mir das auszudrücken, was den sogen. 
Freiheitsbestrebungen an realem Gehalt entspricht. 
Daß Freiheit streng genommen ein negativer Begriff 
ist, wurde schon oben erwähnt und kann als bekannt 
gelten; das Wort bedarf logisch stets eines Zusatzes: 
von was. Absolute Freiheit ist ein metaphysischer Be 
griff, kein solcher menschlicher Gemeinschaft. Schon die 
gleichzeitige Existenz zweier Menschen im gleichen 
Raumbezirk genügt, um sie theoretisch aufzuheben; 
und ethisch gefaßt besaß sie nicht einmal Robinson auf 
seiner Insel. Das Korrelat dazu liegt im Kratein; also 
„Freiheit von absoluter Herrschaft, von schrankenloser 
Gewalt irgend eines anderen Menschen". Also in letz 
ter Linie die Ausschließung jedes absolut gültigen 
Willens; die Relativität aller einzelnen Willen; die 
notwendige Berücksichtigung auch der fremden Willen. 
Diese Aufstellungen stehen natürlich in scharfem 
Gegensatz zu Friedrich Nietzsches „Willen zur Macht";
	        
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