II. Theil. Statistik der Sterketalle.
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setzt sind, so wird das Gewicht von 23,75 % aller dieser
Fälle für die ersten fünf Versicherungsjahre als sehr belastend
erscheinen. Insbesondere in Verbindung mit dem im fünften
Kapitel oben constatirten mächtigen Einflüsse der Ver
erbung enthält diese starke Concentrirung der Lungenschwind
sucht-Sterbefälle auf die ersten Versicherungsjahre eine sehr
ernste und deutliche Mahnung.
Bei keiner der obigen zwanzig Krankheitsformen liegt der
Schwerpunkt der Mortalität schon in der ersten fünfjährigen
Periode der Versicherung; nur bei dem fünften Theile derselben
übersteigt die Mortalität in den fünf ersten Jahren 25 °/o der
Gesammt - Mortalität. Dies wird man um so mehr als eine
Folge der >Auswahl« betrachten dürfen, als der starke Zuwachs
neuer Versicherter in den letzten Jahren die Zahl der kurze
Zeit versichert Gewesenen erheblich vermehrt hat, und demnach
auch die Zahl der nach kurzer Versicherungsdauer Verstorbenen
eine absolut grössere geworden ist.
(Es starben
im
im 1. Jahrzehnt
» II. » -
» III. »
» IV. »
» V. »
I. 2. 3. 4. 5.
Vers -Jahre
103 107 93 100 72
91 121 104 118 130
81 120 131 107 123
in 114 134 131 138
140 196 234 265 233.)
Von den in Folge von Selbstentleibung Gestorbenen
starben 22,93 % nach einer Versicherungsdauer von O — 5,
21,95 % nach einer solchen von 6 — IO, 20,50 % nach
einer solchen von 11 — 15, 15,12 % nach einer solchen von
16 — 20 Jahren, zusammen also 80,50 °/o nach einer Ver
sicherungsdauer von 0—20 Jahren. Mit Rücksicht auf den mehr
erwähnten Umstand, dass die Zahl der Jungversicherten eine ver-
hältnissmäsig grosse war, mag es seine Bedenken haben, auf das
hier constatirte beträchtliche Gewicht der frühzeitigen Sterblichkeit
in Folge von Selbstentleibung den Schluss zu stützen, dass
eine verhältnissmäsig grosse Zahl von Selbstentleibungen etwa
zur Zeit des Eintrittes in die Lebensversicherung schon prä-
meditirt gewesen oder durch die Versicherung hervorgerufen
worden sei. Angesichts einer Vergleichung mit dem all
gemeinen Mortalitätsgewicht der ersten Versicherungsperiode
kann man diesen Gedanken aber doch nicht ganz von sich
weisen. Es starben nach einer Versicherungsdauer von o—5
Jahren 14,98 % aller Gestorbenen und 22,93% aller in Folge
von Selbstentleibung Gestorbenen !
Dass die Sterbefälle an Altersschwäche ihr Gewicht
in den höheren Versicherung^-Jahren vorzugsweise geltend
machen und bei einer längeren, als der ersten fünfzigjährigen,
Beobachtungsperiode noch mehr geltend machen würden , ver
steht sich von selbst. Wie oben bemerkt, beträgt das Durch
schnittsalter der an Altersschwäche Gestorbenen 76,35 Jahre.
Die äusserste Altersgrenze für den Eintritt neuer Mitglieder bei
der Gothaer Bank liegt hinter diesem Durchschnitt schon um
16,35—9,35 Jahre zurück! Eine Vergleichung der allgemeinen
Sterblichkeit mit der Sterblichkeit an Altersschwäche giebt fol- !
gendes beachtenswerthe Bild.
Es starben
von allen Verstorbenen überhaupt %
im I. II. HL IV. V.
Jahrfünft der Versicherungsdauer
14,98 16,23 1548 14,78 13,10
im VI. VIL VIII. IX X.
Jahrfünft der Versicherungsdauer
I0,60 7,42 4,87 2,12 0,42
von den an Altersschwäche Gestorbenen %
im I. II. 111. IV. V.
Jahrfünft der Versicherungsdauer
0,12 1,37 6,67 11,23 15,35
im VI. VIL VIII. IX. X.
Jahrfünft der Versicherungsdauer
20,66 18,41 14,71 9,24 2,24
Für Vergleichungen dieser Art bietet die Tab. XVII
noch mancherlei Stoff. —
IX. Kapitel.
Die Sterblichkeit, wie sie nach den Berechnungen
der Bank zu erwarten war, verglichen mit der
wirklichen Sterblichkeit.
Zu Tab. XVIII bedarf es nur weniger Worte der Er
läuterung. Vergleicht man den Abgang durch Tod, welcher
in jedem der fünfzig Beobachtungsjahre an Personen und Ver
sicherungs-Summen nach der Sterblichkeitstabelle der Bank zu
erwarten war, mit dem wirklichen Abgänge dieser Art, so zeigt
sich, dass dieser Abgang hingesehen auf die Personen nur in
fünfzehn, hingesehen auf die Summen nur in vierzehn Jahren
grösser war, als der Erwartung entsprach, und dass im
Ganzen der wirkliche Abgang von 22017 Personen mit
114,905600 jfl. Versicherungs-Summe um 937 Personen und
6,801 398 JL hinter demjenigen zurückblielf, auf welchen
man nach der Sterblichkeitsliste der Bank gefasst sein musste.
Diese Mindersterblichkeit, welche hingesehen auf die Personen
4,08 und hingesehen auf die Summen 5,6 % beträgt, wird
man als eine sehr geringfügige betrachten, im Ganzen also
die Sterblichkeitsliste der Bank als wohlbewährt bezeichnen
dürfen, und mit um so grösserer Beruhigung auch der ferner
weiten Benutzung dieser wichtigen Rechnungsgrundlage ent
gegensehen können, je mannigfaltiger in den hinter uns lie
genden fünfzig Jahren die äusseren Einflüsse waren, von denen
man eine Alterirung des Gleichgewichtes hätte erwarten können,
denen sie aber in so vorzüglicher Weise Stand gehalten hat.
Fasst man die einzelnen Jahrgänge näher in’s Auge, in
denen eine Mehr Sterblichkeit hingesehen auf die Personen be
obachtet wurde, so scheint es, als wenn Epidemien, innere
Unruhen und Kriege ihren Einfluss besonders geltend gemacht
hätten.
In den Rechenschaftsberichten wird die Mehrsterblichkeit
des Jahres 1832 (7,46% betragend) auf die damals noch
herrschende Cholera zurückgeführt.
1836 ( 5,40%
1837 ( 7,64 »
1842 ( 2,10 »
1847 ( 6,34 »
1848 (16,79 »
1849 (I I.82 »
1850 ( 4,53 »
1853 ( 4,69 »
1855 (12,73 »
betragend) nicht besonders erklärt,
» ) auf die herrschende Grippe und
Cholera zurückgeführt,
» ) nicht besonders erklärt,
» ) desgl.,
» ) durch die herrschenden politischen
Unruhen und die wiederum auf
getretene Cholera erklärt,
» ) desgl.,
» ) auf Cholera und Folgekrankheiten
zurückgeführt,
» ) auf Cholera zurückgeführt,
» ) auf Cholera, Typhus und die mittel
baren Wirkungen des Krimkrieges
zurückgeführt,