446 Dreizehntes Buch. Drittes Kapitel.
Niederland und Belgien noch von jenseits der heutigen fran—
zösischen Grenze nordwärts mit Ausnahme der bischöflichen Ge—
biete von Lüttich und Utrecht; er war zum unmittelbaren
Nachbarn der rheinischen Herrschaften Geldern, Cleve und
Jülich geworden.
Nun galt es, dies außerordentlich reiche und blühende
Gebiet mit der Bourgogne und der Freigrafschaft Burgund im
Süden in Verbindung zu bringen. Es bedurfte dazu nur noch
der Erwerbung des Herzogtums Luxemburg und des Herzog⸗
tums Lothringen: zweier Länder, deren Verlust, mochten sie
auch unter loser Oberhoheit des Reiches bleiben, doch die
strategische Westgrenze des Reiches von dem Flußlauf der Maas
weit nach Osten in die Linie der Saar und der mittleren
Eifel verschoben haben würde, zu dauernder Bedrohung Süd—
deutschlands, noch immer des Centrums des Reiches.
Philipp ging zunächst auf die Erwerbung Luxemburgs
aus. Sie gelang nach mannigfachen Zwischenfällen vorläufig
mit dem Jahre 1427, dauernd und unwiderruflich durch den
Vertrag von Hesdin vom 4. Oktober 1441; am 22. November
1443 hielt der Herzog seinen feierlichen Einzug in die Haupt⸗
stadt des Landes.
Und schon während der Verhandlungen wegen Luxemburgs
hatte Philipp die Gewinnung Lothringens ins Auge gefaßt. Er
war sich wohl bewußt, daß er hier auf den Wettbewerb Frankreichs
stoßen würde; und er zweifelte nicht, daß dieser mehr zu fürchten
sein würde, als die ohnmächtigen Proteste des Reiches. So ver⸗
suchte er zunächst auf Reichsboden eine feste strategische Position
zu erwerben. Im Jahre 1429 verschrieben ihm die Habsburger
das Oberelsaß; gleichsam als ein vorgeschobenes Außenwerk
des furchtbaren westlichen Feindes schaute dies Gebiet nun—
mehr ins deutsche Land, gleich gefährlich dem Reiche wie dem
zu erwartenden französischen Eingriff.
Konig Sigmund beobachtete all diese Schritte Philipps mit
oerständigem Mißtrauen und suchte ihnen vorzubeugen, soviel
er vermochte. Er stärkte durch zahlreiche Akte königlicher
Amtsgewalt die Reichsidee im Herzogtum Lothringen, er sorgte