Störungen und Hemmungen der Wirtschaft. 97
darüber müssen wir uns auch klar werden, diese Milliarde bedeutet
keinen Gewinn für unser Volksvermögen, nicht einmal
eine Ersparnis, sondern nur eine Verschiebung innerhalb der
Volkswirtschaft selbst, deren segensreiche Wirkungen wir freilich
vollkommen kennen. Eine noch viel größere Aufgabe, die ihrer
Lösung erst noch im 20. Jahrhundert harrt, ist es, volkswirtschaftliche
verluste überhaupt zu verhüten.
Diese Verluste, gegen welche die Schäden durch Feuer, Hagel,
Wasser ganz klein werden, sind solche, die sich aus der Natur
unserer gegenwärtigen Wirtschaft heraus, nicht, wie die erstgenannten,
aus Zufall ergeben. Es sind vor allem dieKrisen-Verluste.
Die Erscheinung der Krisen hat die Wissenschaft vielfach beschäftigt
und die Erklärungsversuche sind zahlreich. Als Krise
bezeichnet man zumeist eine längere Zeit andauernder Störung
in dem Verhältnis von 2lngebot und Nachfrage. Schon
M a l t h u s stellte die Theorie auf, daß die Produktion die Tendenz
habe, sich stärker zu vermehren als der Konsum, so daß ein
ständiges Mißverhältnis zwischen beiden im Wesen unserer Wirtschaft
liege. Die Sozialisten, namentlich Robert Mwen und
S i s m 0 n d i, erklärten das Krisenproblem als 'eine Frage der
Einkommensverteilung; dem größten Teil der Bevölkerung, den
Arbeitern, fehle die Kaufkraft, so daß eine ständige Tendenz zur
Unterkonsumtion vorliege. I u a l a r hat dann als das Grundphänomen
nicht die Krise, sondern die Wellenbewegung des
Wirtschaftslebens hingestellt; das 2lufsteigen der Welle, der wirtschaftliche
Aufschwung ist nunmehr die zu erklärende Tatsache.
Daß im Wirtschaftsleben eine ständige Tendenz zur Überproduktion
gegeben ist, lehrt uns die einfachste Überlegung; merkwürdig
ist nur, daß die Produktion der einzelnen Produzenten sich nicht
einigermaßen ausgleicht. Diese Erscheinung des gehäuften Auftretens
der Produktionsstörungen der einzelnen Unternehmungen
hat Schumpeter so zu erklären versucht, daß die Fähigkeit
zur Durchsetzung technischer oder organisatorischer ZIeuerungen,
welche die Voraussetzungen des wirtschaftlichen Fortschrittes und
damit auch der Produktionssteigerung sind, nicht in gleicher weise
bei allen Wirtschaftssubjekten vorhanden, vielmehr nur einer
Minorität zu eigen seien; wenn ein solcher vorausgehender
Führer auftrete, folgten die anderen dann in hellen Haufen.
Man stelle sich nun einmal recht lebendig vor, wie jetzt produ-Wygodzin4ki,
Einführung in die Volkswirtschafisleh^e.
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