Full text: Einführung in die Volkswirtschaftslehre

1)8 Schrankenlosigkeit der Produktion. 
ziert wird, und ziehe zum vergleich frühere Stufen der Produk 
tion heran. Im Zeitalter der Z u n f 1 w i r t s ch a f t, deren 
Schwächen natürlich niemand leugnen wird, war es eine Paupt- 
sorge der Zunft selbst wie der städtischen und Staatsbehörden, 
daß die Masse der erzeugten Maren nicht größer würde als der 
Zlbsatz. Das wurde auf verschiedenen Megen erreicht, etwa da 
durch, daß man dem einzelnen lNeister verbot, über eine bestimmte 
Anzahl hinaus Gesellen und Lehrlinge zu halten. Gder man 
beschränkte die Maschrnen, die er für seine Arbeit brauchte, der 
Zahl nach. Konnte ein Meister die ihm übergebene Arbeit nicht 
bewältigen, so mußte er sie einem armen Mitmeister abtreten. 
(Es kam sogar vor, daß die Gewerbe einfach „geschloffen" wurden, 
um eine Dberprodnklion zu verhindern; so wurde noch im Jahre 
J78S durch Königliches Reskript die Zahl der Berliner Tabak 
spinner auf 54 Meister beschränkt. Das sind Bestimmungen, di: 
uns heut kaum mehr verständlich erscheinen. Längst haben wir 
vollkommene Gewerbefreiheit, und jeder darf so viel pro 
duzieren, als er nur eben Luft hat und kann. Das geschieht denn 
auch, namentlich in guten Zeiten produziert jeder darauf los, 
erweitert seine. Fabrik ständig, wirft immer weitere Warenmassen 
auf den Markt, wie soll er auch embers ?' Soll er sich den Ge 
winn entgehen lassen? wenn er ihn nicht mitnimmt, tut es 
eben ein anderer, der Konkurrent. Keiner weiß, wieviel denn im 
aanzen hergestellt wird, und es gehört zu den denkbar schwierig 
sten Aufgaben, über die Weltproduktion und die Weltvorräte eine 
wirklich brauchbare Vorstellung sich zu bilden. Denn längst 
kommt es nicht mehr darauf an, wieviel der Rachbar in derselben 
Stadt herstellt, nicht einmal mehr, wieviel im eigenen Lande von 
einer beliebigen Ware erzeugt werden. Durch die modernen Ver 
kehrsmittel und ihre Riesenleistungen an Massenhaftigkeit, 
Schnelligkeit und Billigkeit ist trok der Schutzzölle für jeden Her 
steller einer Ware die ganze Welt Konkurrent geworden. Da muß 
sich z. B. der deutsche Kupferproduzent darauf gefaßt machen, daß 
ihm aus den vereinigten Staaten, aus (England, Zentral- und 
Südamerika, Japan, Australien und Rußland Konkurrenz gemacht 
wird. Die deutschen Zuckerfabriken stoßen auf dem Weltmarkt 
auf Zucker aus Österreich und Frankreich, aus Kuba und 
St. Thomas, aus Belgien und Rußland, wir könnten die Bei 
spiele bis ins Unendliche vermehren; es würde immer das gleiche 
Bild sich zeigen. Daß wir im Zeitalter der Weltwirtschaft leben.
	        
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