Full text: Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

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J ) 0. E. I, 590 ff. 
Ganze, der es ihm ermöglichte, aus der Masse von Einzeltatsachen 
das Wesentliche herauszuholen. Anders die Schüler, die wohl fleißig 
Monographien aufnahmen, aber nicht darüber hinauskamen. Es 
waren mehr Männer, die schon entdeckte Wahrheiten wiederholten, 
als solche, die durch Entwicklung der Methode neue Beziehungen 
enthüllen wollten. Deshalb, meint de Bousiers, hat die Sozial 
wissenschaft seit dem Tode Le Play’s keine Fort 
schritte mehr gemacht. Die Monographie „ist ein Instrument, 
dessen sich Le Play allein zu bedienen wußte, um von der Arbeiter 
familie zur Gesellschaft, von der Beobachtung zum Allgemeingültigen 
emporzusteigen“. 
De Bousiers, der der Schule der „Science sociale“ angehört, die 
im Gegensatz zur Schule der „Beforme sociale“ bald nach dem Tode 
des gemeinsamen Meisters die Methode von Grund aus änderte, 
zeichnet hier die Unterschiede zwischen Le Play und seinen Nach 
folgern vielleicht etwas zu kraß, weil er die Absicht hat, Le Play 
zu schonen und die Notwendigkeit einer Beform seiner Methode 
damit zu erklären, daß nicht jeder ein Genie sein und den metho 
dischen Gang durch Intuition ersetzen könne. Diese ganze ein 
leitende Darlegung de Bousiers ist mehr eine captatio benevolentiae, 
die ihn aber nicht hindert, die Irrtümer Le Play’s im weiteren 
Verlaufe scharf unter die Lupe zu nehmen. Es ist richtig und 
eigentlich auch selbstverständlich, daß Le Play seine Methode besser 
zu handhaben wußte und mehr mit ihr erreichte als seine Schüler. 
Aber auch er hat, wie sie, die Schwierigkeiten kennen ge 
lernt, die auf dem Wege von der Beobachtung zur Schlußfolgerung 
liegen. 
Erste Erfahrungen Le Play’s mit der Methode. Verzögerung 
der Erfolge. Über seine ersten Erfahrungen mit der Methode 
urteilt Le Play folgendermaßen: 
Als ich mich anschickte, an die Erforschung der Menschen mit einem der 
Erforschung der Mineralien ähnlichen Verfahren heranzutreten, empfand ich 
ein Moment des Zögerns. Ich sah wohl, daß die Methode in beiden Wissen 
schaften dieselbe war; aber ich fühlte auch, daß in mir der Mensch und 
der Chemiker nicht dieselbe Indifferenz in Rücksicht auf die 
gesuchten Resultate zeigten. Ich mußte mich also zunächst fragen, 
ob meine Wahrheitsliebe dem Einfluß der materiellen, intellektuellen und 
moralischen Gewohnheiten, die durch meine Erziehung bedingt waren, Wider 
stand leisten würde *).
	        
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