Full text : Einführung in die Volkswirtschaftslehre

Der  Jins.

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feit  gibt,  Die  eigene  Arbeit  produktiver  zu  gestalten.  Nur  dadurch, ­
  daß  man  produktive  und  konsumtive  Verwendung  des  Darlehens ­
  auseinanderhält,  kommt  man  zu  einer  Erklärung  des
Zinses,  der  in  beiden  Fällen  also  etwas  ganz  verschiedenes  bedeutet. ­

Die  höhe  des  Zinses  oder  der  Rente  wird  in  der
Regel  durch  das  Verhältnis  dieser  Summen  zu  dem  in  Geld  ausgedrückten ­
  Besitzwert  bezeichnet.  Man  pflegt  dafür  die  Prozentrechnung ­
  zu  benutzen.  Dabei  liegt  allerdings  insofern  eine  gewisse ­
  Schwierigkeit  vor,  als  der  Besitzwert,  auf  den  sich  die  Prozentrechnung ­
  bezieht,  keineswegs  immer  eindeutig  ist,  sondern
seinerseits  außerordentlich  stark  schwanken  kann.  Berliner  Hypothekenbankprozesse ­
  haben  gezeigt,  daß  von  sachverständigen  Taxatoren, ­
  deren  Gewissenhaftigkeit  an  sich  nicht  zu  bezweifeln  war,
für  ein  und  dasselbe  Grundstück  Taxen  von  2  und  6  Millionen
Mark  aufgestellt  wurden;  ein  Zinseinkommen  aus  dem  Grundstück, ­
  das  im  ersten  Falle  sich  etwa  auf  9%  beliefe,  würde  bei
Zugrundelegung  der  zweiten  Taxe  nur  3%  betragen.  Das  sind
aber  nicht  etwa  besondere  Ausnahmefälle,  sondern  die  Wertbemessung
  von  Grundstücken  ist  anerkanntermaßen  so  schwierig
und  schwankend,  daß  der  volksmund  das  harte  Wort  „Taxen  sind
Faxen"  geprägt  hat.  Nicht  besser  ist  es  mit  industriellen  Unternehmungen ­
  wie  Fabriken  und  Bergwerken.  Der  schwankende
Eharakter  der  Bewertung  ruht  hier  allerdings  nicht  bloß  auf  deni
subjektiven  Ermessen,  sondern  entspricht  zum  großen  Teil  dem
tatsächlichen  Aonjunkturenwechsel,  der  sich  ja  in  der  Industrie
viel  rascher  und  häufiger  vollzieht  als  auf  dem  Grundstückmarkt.
In  den  Börsenkursen,  die  sich  nicht  nur  von  Tag  zu  Tag,  sondern
selbst  während  des^Börsenverlauss  ändern,  ist  der  sichtbare  Nied  erschlag ­
  dieser  Meinungsverschiebungen  zu  finden.  Es  ist  deshalb
irrig,  von  der  hohen  Dividende  einer  Aktiengesellschaft  ohne  weiteres ­
  auf  den  Grad  der  Rentabilität  zu  schließen;  diese  muß  vielmehr ­
  statt  auf  den  Nominalbetrag  der  Aktie  auf  ihren  Börsenkurs ­
  bezogen  werden,  da  die  meisten  Aktienbesitzer  diese  eben  nicht
zu  joo  %,  sondern  je  nachdem  über  oder  unter  diesem  Nurse  erworben ­
  haben.  Beträgt  z.  B.  die  Dividende  der  Harpener  Bergwerksgesellschaft ­
  8  %,  so  rentiert  sich  dem  Kapitalisten,,  der  die
Aktien  zu  einem  Kurse  von  (80  %  gekauft  hat,  sein  Kapital  nicht
zu  8,  sondern  zu  4,3  %.  Das  gleiche  gilt  von  der  Anlage  in  Anleihen ­
  des  Staates  und  anderer  öffentlicher  verbände,  wie  über-Wygodzinski,
  Einführung  in  die  Volkswirtschaftslehre.

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