Full text : Einführung in die Volkswirtschaftslehre

132

Das  Befitjcintommen.

müssen.  Natürlich  sind  die  Banken  nicht  in  der  Festsetzung  des
Wechselzinsfußes  souverän;  sie  müssen  sich  vielmehr  nach^  den
Verhältnissen  der  Zeit  und  des  Landes  richten,  die  sie  nur  bis  zu
einem  gewissen  Grade  beeinflussen  können.  Es  ist  ihnen  möglich,
in  Zeiten  der  Ronjunkturüberfpannung  durch  eine  starke  kseraufsetzung
  des  Zinsfußes  ein  Warnungssignal  zu  geben  oder  umgekehrt ­
  die  ermattete  Unternehmung  durch  einen  billigen  Zinssatz
zu  beleben;  aber  dieses  Eingreifen,  das  zudem  mit  großer  Vorsicht ­
  zu  geschehen  bat,  folgt  nur  den  Ereignissen.  Namentlich
wenn  wir  durch  eine  Neihe  von  Jahren  hindurch  den  offiziellen
Zinsfuß  in  verschiedenen  Ländern  vergleichen,  ist  ein  Rückschluß
auf  die  geldliche  Lage  und  die  durchschnittliche  Verzinsung  des
Kapitals  in  ihnen  wohl  gestattet.  Sehen  wir  uns  daraufhin  die
Zinssätze  der  Zentralbanken  von  Deutschland,  Frankreich,  Großbritannien ­
  und  Rußland  vor  dem  Kriege  genauer  an.  Ls  betrugen ­
  die  durchschnittlichen  Diskontsätze  der

3m  3ahre

Deutschen  Reichsbank ­


Bank  von
England

Bank  von
Frankreich

Russischen
Staatsbank

1909

3,93  °/o

3,10%

3,00  %

4,99  °/„

1910

4,35  „

3,72  „

3,00  „

4,50  „

1911

4,40  „

3,47  „

3,14  „

4,50

1912

4,95  „

3,77  „

3,38  „

5,00  „

1913

5,88  „

4,77  „

4,00  „

6,00  „

In  der  ksöhe  der  Sätze  folgten  also  gleichmäßig  in  allen  Jahren
nacheinander  Rußland,  Deutschland,  England,  Frankreich.  Rußland, ­
  ein  kapitalarmes  Land,  bei  bem  eine  allerdings  erst  vereinzelt ­
  auftretende  Industrie,  ein  recht  umfassender  Lxportgetreidehandel
  und  die  allmählich  zu  rationell-intensiveren  B>.-triebsformen
  übergehende  Landwirtschaft  immer  stärkere  2lnsprüche
  stellten,  also  eine  verhältnismäßig  große  Nachfrage  gegenüber ­
  einem  geringen  Kapitalangebot,  llmgckehrt  lag  es  in  Fra>rkreich;
  das  Land  ist  sehr  reich,  die  Unternehmungslust  mit  wenigen
Ausnahmen  viel  geringer  als  in  den  anderen  Staaten  Westeuropas. ­
  Eine  geringere  Kapitalnacgsrage  gegenüber  großem
Angebot  hielt  den  Zins  dauernd  niedrig.  Deutschland  und  England ­
  gehörten  beide  mit  ihrer  irrt  stärksten  Eiltempo  voranschreitenden ­
  Industrie  zu  den  kapitalhungrigsten  Ländern;  die  alte
Stellung  Londons  als  Zentralweltmarkt  führte  dem  Inselreiche
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.