Full text : Einführung in die Volkswirtschaftslehre

8  Aufgaben  und  lNelhoden  der  Volkswirtschaftslehre.
Aulturideale  sind  selbstverständlich  verschieden.  Der  eine  hofft
vielleicht  auf  eine  allgemeine  volkskultuc,  die  dann  eine  möglichst
gleichmäßige  Einkommens-  und  Vermögensverteilung  zur  Voraussetzung ­
  haben  muß,  während  her  Anhänger  Nietzsches  wieder
umgekehrt  .  die  Abstände  zwischen  den  Vielzuvielen  und  den
wenigen  wertvollen  so  breit  als  möglich  wünscht,  wirtschaftliche
Selbständigkeit  des  Staates  als  Vorbedingung  der  politischen  Unabhängigkeit, ­
  Ausbildung  der  besonderen  Tätigkeit  und  Möglichkeiten ­
  jeden  Volkes  in  einer  disserenzierten  und  aufeinander  angewiesenen ­
  Gesamtheit  der  Aulturnationen,  dies  ist  ein  zweiter
derartiger  Gegensatz.
Das  Ziel  stellt  also  die  Weltanschauung,  der  ethische  oder  politische ­
  Glaube;  sie  nur  geben  wirtschaftlichen  Vorgängen  die
Wertbetonung.  Die  Mittel  zur  Erreichung  dieser
überwirtschaftlich  gesetzten  Ziele  untersucht
die  wissen  schaftli  che  Wirtschaftspolitik,  wenn
auch  das  Ziel  gegeben  ist,  sönnen  die  Wege'  zu  ihm  unbekannt  und
streitig  sein.  Damit  ist  freilich  noch  nicht  gesagt,  daß  der  Gelehrte ­
  unter  allen  Umständen  der  geeignetste  Mann  sei,  dem  wirtschaftlichen ­
  ksandeln  auch  zum  gegebenen  Ziel  die  richtigen
Wege  zu  weisen.  Die  Fülle  der  einwirkenden  wirtschaftlichen
und  nichtwirtschastlichen  Umstände  ist  im  modernen  Wirtschaftsleben ­
  so  groß,  daß  ihre  völlige  Klarlegung  und  Verfolgung  oft,
wir  können  vielleicht  sagen  meist,  bei  dem  bisherigen  Stande
unseres  Wissens  nicht,  möglich  ist;  der  geniale  Blick  des  handelnden ­
  Staatsmannes,  des  Praktikers,  übersieht  und  erwägt  diese
Fülle  der  Möglichkeiten  vielleicht  schärfer  und  rascher  als  der
abstrahierende  Gelehrte.  Doch  bleibt  es  die  gegebene  Aufgabe
der  wissenschaftlichen  Wirtschaftspolitik,  immer  tiefer  auch  die
„Lebensvorgänge"  der  wirtschaft,  ihre  Bedingungen,  lsemmungen
  und  Verläufe  zu  studieren;  dann-  wird  sie  —  ein  letztes
fernes,  wahrscheinlich  nie  erreichbares  Fdeal  -  die  Elemente  zur
Erlangung  eines  gewünschten  wirtschartserloigs  so  sicher  aufbauen ­
  können  wie  der  wissenschaftliche  Maschinenkonstrukteur
seine  Dynamomaschine  von  so  und  soviel  Pferdekräften  oder  seine
Baumwollspindel  mit  der  vorausberechneten  Umdrehungszahl  in
der  Minute.
Im  Verlauf  der  wissenschaftlichen  Arbeitsteilung  als  Sonderwissenschaft ­
  entstanden,  setzt  die  Volkswirtschaftslehre  nun  ihrer-
            
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