174 Dreizehntes Buch. Drittes Kapitel.
drückend empfundene Bestreben, die großen Städte dem hansischen
Bunde zu entziehen und zu Landstädten herabzudrücken. Und
selbst der Bauer ward unzufrieden; er sah sich zu schwerem
Kriegsdienst verpflichtet, aber dabei ausgeschlossen von jeder
Teilnahme an der heimischen Verwaltung.
In dieser Lage wurden äußere Schwierigkeiten verhängnis⸗
voll. Litauen war noch im 183. Jahrhundert in eine Fülle
kleiner Stammesstaaten zerfallen. Ihnen gegenüber hatten die
fortwährenden Angriffe des Ordens gewirkt, wie die deutschen
Angriffe des 10. und 11. Jahrhunderts auf die rechtselbischen
Slawen: seit der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts begannen
sie sich zu konsolidieren. In der zweiten Hälfte des 14. Jahr⸗
hunderts herrschte dann als einziger Nachfolger aus der kinder⸗
reichen Familie seines Vaters der Großfürst Jagiello über das
ganze Land. Es war eine ernsthafte Gefahr für den Orden.
Zu drohender Vernichtung stieg sie, seit Jagiello im Jahre 1886
zugleich die polnische Krone empfangen hatte! und im Jahre
1401 die Union Polens und Litauens dauernd bekräftigt war.
Damit war das Deutschordensland auf fast allen Landgrenzen
mit Ausnahme des schmalen Grenzstriches gegen Pommern von
einem einzigen Reiche umfaßt, und gierig blickten die polnischen
Magnaten auf das reiche deutsche Gebiet und den dahinter
erglänzenden Spiegel der Ostsee. Das um so mehr, als inner—
halb Polens jeder Einfluß deutscher Kultur erloschen schien.
Wohin waren die Zeiten gegangen, da der Polenherzog noch
als Vasall die deutschen Reichstage besucht, da Kaiser Friedrich II.
Konrad von Masowien noch als devotus noster bezeichnet hatte!
Zum letztenmale hatte Ludwig der Bayer im Jahre 1888 die
kaiserliche Oberhoheit über Polen betont: seitdem kümmerte sich
das Reich um den äußersten Nordosten nur noch, wenn es seiner,
niemals, wenn er des Reiches bedurfte. Aber auch die spon—
tanen Einflüsse deutschen Wesens hatten in Polen aufgehört.
Der polnische Adel und die polnischen Klöster führten keine
deutschen Bauern mehr ein wie einst in den Abteigebieten von
1S. oben S. 380.