Full text : Einführung in die Volkswirtschaftslehre

Naturbedingungen  der  Erzeugung.  37
Dafür  werden  jetzt  wieder  andere  Länder  mit  ähnlichen  unausgebeuteten
  Bodenschätzen  wie  lvestkanada,  Argentinien  und
die  Laplatastaaten,  vielleicht  demnächst  Sibirien  und  Mesopotamien ­
  in  den  Kreis  der  lveltwirtschaft  einbezogen.
Dieser  Zusammenhang  mit  der  Natur  gilt  jedoch  keineswegs
nür  von  der  Landwirtschaft.  Unsere  größten  Industrien,  die
Eisen-  und  die  Kohlenindustrie,  sind  bodenständig.  Und  wenn
es  die  anderen  größeren  Industrien  nicht  oder  nicht  mehr  in  diesem
Maße  sind,  so  verdanken  sie  es  wiederum  nur  Naturkräften,  die
man  für  ihre  Zwecke  dienstbar  gemacht  hat,  vor  allem  natürlich
der  Kohle.
Denn  die  ganze  Entwicklung  der  Großindustrie,  der  Maschinenverwendung ­
  ist  an  die  v  e  r  w  e  n  d  u  n  g  v  o  n  N  a  t  u  r  k  r  ä  f  t  e  n
für  motorische,  also  für  Kraftzwecke  gebunden.  Ehe  die
Steinkohle  für  diesen  Zweck  verwendet  wurde,  waren  es  neben  der
Holzkohle  vor  allem  die  Wasserkräfte,  die  zum  Treiben  der  kjammcrwerke
  dienten.  Die  Industrie  saß  damals  in  den  Tälern,  um  das
Gefälle  der  Bäche  auszunutzen.  Und  heut,  da  wir  gelernt  habeir,
die  Kraft  des  Wassers  in  Elektrizität  umzusetzen,  geht  die  Industrie
wieder  dem  Wasser  nach,  siedelt  sich  an  den  Wasserfällen  der  Alpen
und  Norwegens  an  oder  staut  das  kraftspendende'  Element  zu
künstlichen  Seen,  den  Talsperren,  wer  weiß,  ob  nicht  in  wenig
Jahrzehnten  die  Schweden  ihre  Erze  mit  Hilfe  von  Wasserfällen
elektrisch  schnrelzen  und  unsere  mit  der  Steinkohle  arbeitende
Eisenindustrie  ebenso  verschwindet,  wie  die  mit  Holzkohle
arbeitende  Eisenindustrie  der  Eifel  des  Z7.  und  18.  Jahrhunderts,
fast  ohne  eine  Spur  zu  hinterlassen,  vergangen  ist.
Die  Natur  bestimmt  aber  nicht  nur  Len  Standort  der  Produktion, ­
  sondern  durch  die  Beschaffenheit  des
Stoffes  schließlich  die  Art  und  die  Möglichkeit  der
Gütererzeugung.  AIs  Bessemer  in  der  Mittv  des  vorigen
Jahrhunderts  das  nach  ihm  benannte  Verfahren  der  Eisengewinnung ­
  erfand,  das  eine  ungeahnte  Beschleunigung  und  damit ­
  Steigerung  der  Eisenproduktion  ermöglichte,  führte  dies  zunächst ­
  nur  zu  einem  außerordentlichen  Aufschwung  der  Eisenindustrie ­
  Englands.  Denn  nur  dieses  Land  besaß  ein  phosphorfreies ­
  Eisenerz,  wie  es  allein  für  die  Bessemerbirne  taugt.  Erst
als.  die  beiden  Engländer  Thomas  und  Gilchriest  ein  basisches
Verfahren  fanden,  durch  das  es  gelang,  den  Phosphor  durch  Bin-
            
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