Full text: Einführung in die Volkswirtschaftslehre

Der Krebtt. 
7! 
in unseren Tagen die Auflösung fces bäuerlichen Gemeinbesitzes 
am Land in Rutzlanb, eine Maßnahme, welche auf die wirtschaft 
liche Struktur dieses Agrarlandes nicht weniger einschneidend 
wirken wird als die Aufhebung der Leibeigenschaft in den sech 
ziger Jahren, , 
Die Frage der verfügungsberechtigung über dre proeuktrons- 
mittel hat aber ihre Schärfe erst dadurch erhalten, daß im Pro 
duktionsprozesse das Kapital eine immer größere Rolle spielte 
und schließlich ausschlaggebend wurde. Solange der Gewerbe 
betrieb sich in bett Formen des Handwerks abspielte, solange tn 
fcer Tat das fertige Produkt im wesentlichen ein Werk der Hände 
war, machte die Beschaffung der Produktionsmittel keine be 
sonderen Schwierigkeiten. lVohl gab es auch unter den Hand- 
werksaesellen arme Teufel; aber im ganzen konnten sie wohl, 
wenn man sie nur erst Meister werden ließ, die Ausstattung einer 
Schuster- oder Schreinerwerkstatt erschwingen. Zudem war der 
Meg zwischen Produzenten und Konsumenten kurz; oft lieferte 
der Besteller auch noch den Rohstoff (Tuch. Holz), so daß, wenn 
der Besteller nun auch richtig bei der Ablieferung der Ware zahlte, 
die Umlaufzeit des Kapitals verhältnismäßig kurz war. Jetzt 
ist in der Industrie gar nicht daran zu denken, daß sich ein kleiner 
Mann aus eigenen Mitteln eine Fabrik bauen könnte, und selbst 
das Handwerk braucht immer mehr stehendes Kapital für llca- 
schinerie; in der Großstadt aber ist der Kapitalbesitz, die ver- 
süguna über möglichst viel Kapital geradezu entscheidend für dre 
Leistungsfähigkeit. Da nun nicht jeder Produzent oder ^genauer 
gesagt.' jeder der produzieren möchte, Kapital in genügendem 
Maße besitzt, während umgekehrt Kapitalbesitzer ost nicht zu pro 
duzieren geneigt oder fähig sind, findet ein 2lusgleich zwischen 
beiden Teilen statt. 
Ls kann das Verhältnis von Kapital und Produktion so ge 
regelt werden, daß der wirkliche Produzent sich die Verfügung 
über die Produktionsmittel leihweise übertragen läßt, das Risiko 
allein übernimmt und den Besitzer der Produktionsmittel durch 
eine bestimmte Leihgebübr entschädigt. Ein solches Verhältnis 
kommt in weitem Umfanae in der Landwirtschaft unter dem 
Namen Pacht vor; der Besitzer des Gutes bewirtschaftet es 
nicht selbst, sondern überläßt es einem Pächter, der dafür eine 
vorher ausgemachte Pachtsumme zahlt. In der Industrie ist eine 
solche direkte Verleihung von Produktionsmitteln selten, wenn
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.