Der Großbetrieb.
uns zuerst daran erinnern, was wir bereits über die Rolle der
Technik in der Wirtschaft der Gegenwart uns klar gemacht ßaben.
Die technische Grundlage der Unternehmung ist der Betrieb; eme
Unternehmung kann einen oder eine ganze Reihe von Betrieben
(Betriebskombinationen in der Eisenindustrie, Filialgeschaste
usw.) umfassen. Vas Vordringen der Maschinenarbeit führt von
selbst zum. Vordringen des Großbetriebs. Line Maschrne
ist teuer, so daß sie sich der kleine Meister selten bezahlen kann,
und sie wird immer teurer, je komplizierter, je leistungsfähiger, je
größer sie wird. Die Maschine dringt aber rastlos vorwärts.
Das sehen wir schon an der Aahl, ganz abgesehen von der außer- _
ordentlich gesteigerten Leistungsfähigkeit der einzelnen Maschinen.
<846 waren in Preußen erst' \ 100 Dampfmaschinen im
gegen 78 ooo in unseren Tagen, und jede unserer heutigen Ma
schinen dürfte ein Riese gegen die damaligen sein. Die Gröge
der Maschine macht sie aber nicht nur teuer; sie macht auch eben
nur den Großbetrieb lohnend. So ein schnaubendes rasselndes
Ungetüm verlangt Arbeit; die Maschine will womöglich Tag und
Nacht lausen und jedenfalls nicht bloß, wenn einmal ein Runde
kommt; sonst frißt sie Zinsen, weiter: je größer eine Fabrik
ist um so billiger arbeitet sic überhaupt. Der Großfabrikant be
zieht die Roh- und Lftlfsstofse billiger; die Beleuchtung, die Be
heizung, alle Generalunkosten sind geringer. Je größer der Be
trieb ist, um so mehr ist es möglich, hoch qualifizierte Arbeiter
und Abteilungsleiter zu gewinnen; man denke nur an die zahl
reichen wissenschaftlich geschulten Rräste, die als Ingenieure,
Ehemiker, Techniker in den großen Werken beschäftigt werden.
Ähnliches gilt von der rein kaufmännischen Seite; die An
passung an die Ronjunktur, die Ausnutzung der wechselnden
Gunst des Marktes, die Voraussicht des Rommenden,- all das
sind Dinge, die jenseits des Horizontes des kleinen Mannes
liegen.
So ist es denn kein wunder,^ daß der Großbetrieb tatsächlich
ganz außeroidentlich zunimmt, vergleichen wir die Zahlen, die
uns die Betriebszählungen der 'Jahre v q 82 und 1907 zur Ver
fügung stellen, so sehen wir eine beinahe atemraubende Wucht
des vorwärtsstürmens dieser Großbetriebe, als welche eie Stati
stik .alle Betriebe ansieht, welche mehr als 50 Arbeiter be
schäftigen. In diesen Großbetrieben arbeiteten im Jahre 1882
erst \ 613 247 Menschen, dagegen 1907 nicht weniger als