Object: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

28 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung. 486 
bindung mit den Eisenbahnen, mit den Schlachthäusern, dem Wasser- und Straßen⸗ 
verkehr hängt das Gedeihen der Markthallen ebenso ab, wie von dem Zusammenwirken 
der in ihnen Verkaufenden mit dem übrigen Handel. Aber überall haben sie sich für 
die Großstadt als unentbehrlich gezeigt, und überall haben sie da am besten funktioniert, 
wo nicht etwa Aktiengesellschaften oder private Korporationen, sondern die öffentlichen 
Gewalten, der Staat und die Gemeinde sie geschaffen, im Besitz behalten und verwaltet 
haben. 
Noch weniger als für die übrigen Zweige des Lebensmittelhandels hat sich die 
Erwartung für den Vieh- und Fleischhandel bewährt, er werde ohne vergrößerte, gut ver— 
waltete öfsentliche Märkte, ohne Vieh- und Schlachthöfe sich allein in zerstreuten privaten 
stehenden Geschäften dem Bedarf entsprechend entwickeln. Die gröbsten sanitären Miß⸗ 
stände und die abnorme Verteuerung des Fleisches verschwanden in den großen Städten 
erst, als man den Schlachthauszwang einführte, öffentliche Schlachthäufer baute, riesen— 
hafte öffentliche Viehmärkte mit Stallungen einrichtete, wo die Viehhändler und Land— 
wirte unter Vermittelung der Kommissionäre an die Fleischer und Exporteure verkaufen. 
p) Der Jahrmärkt und die Specialmärkte. Das Warenhaus. Die 
Auktionen. Viel überflüssiger als der Wochenmarkt ist der Jahrmarkt geworden; 
und doch hat ihre Zahl kaum abgenommen; nur der Umsatz auf vielen derselben ist 
absolut oder relativ zurückgegangen. Was früher der Landmann auf dem Jahrmarkt 
zaufte, findet er jetzt selbst im Dorfladen, der Hausfierer bringt es ihm, er kauft es 
zelegentlich in der Stadt. Aber daneben dauerten die alten Gewohnheiten und der 
Vorieil der Angebotskonzentrierung auf dem Jahrmarkt, die Belustigungen desselben 
sort; und für gewisse Waren ist es unentbehrlich, daß Käufer und Verkäufer periodisch 
jährlich einigemal zusammenkommen und unter Besichtigung der Waren oder von 
Proben abschließen. So haben die allgemeinen ländlichen Viehmärkte, wie die speciellen 
Pferde⸗, Fohlen⸗, Schaf-⸗, Schweinemärkte, die Hopfen- und Weinmärkte, die Woll-, 
Flachs-, Hanf⸗, Leinwand-⸗, Garn- und andere Märkte dieser Art auch in den letzten 
Jahrzehnten immer noch an Bedeutung zugenommen. Urproduzenten verkaufen da an 
Häudler, teiweise auch die kleineren an die größeren Landwirte, die örtlichen Händler 
an die Geschäfte der Centralpunkte. 
Dagegen hat sich in den Städten eine neue Art des Jahrmarkts, das große Waren— 
haus entwickeli. In der Hand großer Kaufleute und Kapitalisten entstanden, fuchen 
bie Warenhäuser wie einst der Jahrmarkt das Angebot aller Textilwaren Kleider und 
Manufakte in riesigen Hallen örtlich so zu konzentrieren, daß das Publikum mit einem 
Gang sich nach allen Seiten, etwa mit Ausnahme der Lebensmittel versorgen kann. 
Ich komme auf sie unten zurück. 
Die von den großen Compagnien ursprünglich veranstalteten Kaffee-, Zucker-, 
Thee-, Baumwollauktionen stellen auch eine Art Markt, eine Konzentration des 
Angebots an bestimmtem Ort, in bestimmter Zeit dar, haben sich vielfach bis in unsere 
Tage erhalten und an den Centralpunkten des Welthandels auf andere Waren aus—⸗ 
gedehnt. In Hamburg finden Fisch⸗, in Leipzig Rauchwarenauktionen statt. Auch 
dabei handelt es sich um Specialmärkte; das Angebot wird an bestimmten Tagen kon— 
zentriert und der sich ebensalls versammelnden Nachfrage gegenübergestellt. Das Bedürfnis, 
die Ware zu sehen, zu prüfen, im persönlichen Austausch aller Hauptverkäufer und 
äufer zu einer richtigen Ansicht über die Marktlage und zu Geschästsverbindungen 
aller Art zu kommen, der Vorteil, durch die Auktion auf einmal zu räumen und bare 
Bezahlung zu erhalten, bei steigender Konjunktur gute Preise zu erzielen, hat zu dieser 
Einrichtung geführt. Sie ist eine Veranstaltung, die man teilweise neuerdings auch 
wieder verlafsen hat; bei sinkender Preiskonjunktur kann sie zu Verschleuderung und 
weiterem Preissinken führen; meist aber hat man in den Ländern jüngerer wirtlchaft— 
licher Entwickelung verfucht, die Einrichtung nachzuahmen. 
c) Die Messen, die Musterlager, die Ausstellungen. Die Messen 
haben den einen Teil ihres Verkehrs, die Abwickelung des Geld- und Kreditverkehrs, 
ganz verloren; er ging auf die Post, an den Giro- oder Bankumschreibeverkehr. den Wechsel—
	        
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