D. Bekämpfung des Geburtenrücdganges. 161
ig muß die Gemeinde überallergänzend nadhhelfen. BViel-
leicht Fönnte den Gemeinden das Necht gegeben werden, den Bayunter-
nehmern und Baugenoffenfchaften die Pflicht aufzulegen, einen gewiffen
Brozentfaß der WoHnungen für Knderreidhe Familien bereitzuftellen, in
dem Außengelände möglichit mit Gartenland. Jedenfalls Könnte und follte
die Kreditgewährung der Sparkaljen wie auch der Verficherungsanftalten
und fonftigen Sffentliden Korporationen von Erfüllung diefer Bedingung
abhängig gemacht werden.
Die Gemeinden werden aber auch praktijdhe und finanzielle Mitarbeit
leiften müffen. Diejes gefdhieht am beften in Form einer gemijdhtwirt-
Ihaftlidhen Unternehmung, wie fie oben bereits erwähnt it.
So beabfichtigt Bochum die Gründung einer Heimjättengefellfdaft
m. b. ©. mit einer Stammeinlage der Gemeinde von 340 000 KM. Außer der Stadt
beteiligen fich die drei Banvereine mit 20 000.8, 13 induftrielle Werke mit etiva 320 000 X
und die KatholijhHe, evangelijhe und ifraelitilde Kirdengemeinde mit je 5000 Me,
Die Stadt Neuß erbaut felbfit 50 Einfamilienhäufer (mit Gartenland) für Hnderreidhe
yamilien, bie in deren Eigentum im Wege langfamer Abzahlung übergehen. Wenn
Ulm bisher als unerreichtes Vorbild {täbtijhHer Wohnungsfürforge galt, fo folgt Neuk
mit Erfolg nad. Haben doch mit Unterftüßung der Stadt die drei Wohnungsbau:
vereine dort {o viele Wohnungen gejdaffen, daß fie {hon 12 Prozent der Bevölferung
umfalfen. In Bremen ift ebenfo eine Wohnungskolonie für Hnderreihe Zamilien
in ber Anlage begriffen.
Auch hier ijt die Frage: ob die Wohnungen zur Miete oder zur Eigen»
tumSübertragung beftimmt werden follen. In bewußtemm Segenfaß zu
den gerade hei ideal gerichteten Wohnungspolitikern vorherrfhenden An-
[(dauungen möchten wir aus den fchon vorher. erörterten Gründen neben
dem zweiten Wege auch den erftern mit Wärme empfehlen. Zunächtt
vom Standpunkt des Familienvater3. Diefer Hat, folange die Kinder noch
Hein find, dringendere Bedürfniffe zu befriedigen als den
zulünftigen Erwerb eines Eigenhaufes. Ihm Hilft man am beiten, wenn
man ihm gegen einen billigen Mietzinz ein ficheres Heim gewährt, aber
nit dadurch, daß man ihm au noch eine Abzahlungsquote aufdrängt
jür eine Zukunft, die vorausfichtlich eine jorgenlojere fein wird. Da bei
den Baugenofjenfhaften zwar nicht die AWbzahlung, aber die Einzahlung
des SGenoffenfhaftsanteil? gefordert wird, fo follten die Gemeinde oder
gemeinnüßige Vereine in den FKritijdhen Jahren der Familie diefe Cinzah-
lungen für fie übernehmen, die ja fein Rijiko darftellen. Die gute Abficht
der Eigentumsübertragung kann fogar in ihr Gegenteil verkehrt werden,
indem das Streben baldiger Abzahlung fogar zu einer BefhHränkung
der Geburten führen kann. Gerade in den reizenden SGartenftadt-
wohnungen Joll oft eine auffallende Kinderarmut beftehen — einfach
deshalb, weil eine Vermehrung der Kinderzahl eine Verihlechterung
ber Wohnung oder dochH eine Minderung der Auslicht auf den Erwerb
Bige, Geburtenrüdgang und Sozialreform ®