98
art keineswegs ausreichend Rechnung tragen konnten,
so sehr auch teilweise die technische Verzollungsarbeit
durch die nunmehr notwendige subtile Tarifierung er
schwert wurde; gerade mit Rücksicht auf letzteren Punkt
sei darum hier erwähnt, daß die im Wertzollverfahren
zweifellos begründeten zolltechnischen Komplizierungen
bis zu einem gewissen Grad in Zukunft durch den Weg
fall der zahlreichen, jetzt notwendigen subtilen Ve-
schaffenheitstarifierungen (wie z. B. bei Geweben nach
der Fadenzahl und nach Maßgabe des auf die Flächen
einheit entfallenden Gewichtes) aufgewogen werden könnten.
Es kann unterlassen werden, hier im Einzelnen darauf
einzugehen, bis zu welchem Grade der damalige Zwie
spalt zwischen Landwirtschaft und Industrie in Sachen
der „Bindung der Eetreidezölle für die Vertragsverhand
lungen" dazu beigetragen hat, die Jnduftriezölle des Zoll
tarifentwurfes in oft planloser Weise herabzusetzen. Man
wird sich mit dem Hinweise begnügen dürfen, daß es heute
weite und dem Zentralverbande deutscher Industrieller
durchaus nicht nahestehende Kreise unserer Industrie
sind, welche die Meinung des verdienten Vorkämpfers
des Zentralverbandes, H. A. Vueck, teilen, wenn er
im „Tag" vom 7. September 1911 schreibt, daß der
aus dem Reichstag entlassene Zolltarif nur ein höchst un
vollkommenes Werkzeug war, mit dem die Regierungen
den anderen Staaten zur Erneuerung der Handelsver
träge entgegentreten mußten, und an der bezeichneten
Stelle fortfährt: „So kamen Handelsverträge mit einem