Full text : Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen

preissteigernd.  Ich  darf  behaupten,  daß  man  von  diesen  Zusammenhängen ­
  mangels  einer  wirklichen  Preis-  und  Einkommenstheorie
bisher  keine  rechte  Vorstellung  gehabt  hat.  Insbesondere  ob
Banknoten  auf  Grund  von  Schahwechseln  des  Staates  oder  ob
eigentliches  uneinlösliches  Papiergeld  ausgegeben  wird,
macht  fiir  den  Einfluß  auf  die  Preise  um  so  weniger  einen  Unterschieds ­
  je  weniger  die  Finanzwechsel  alsbald  durch  Anleihen  konsolidiert ­
  werden,  je  weniger,  wie  jetzt  im  Kriege,  die  Anleihen  dazu
ausreichen  oder  je  mehr  alsbald  immer  wieder  neuer  Kredit  von  der
Notenbank  verlangt,  die  Schaffung  künstlicher  Kaufkraft  also  immer
wieder  fortgesetzt  wird.  Nur  aus  den  Umfang  der  Geldvermehrung ­
  kommt  es  an,  aber  nicht  im  Sinne  der  materialistischen  Wirtschaftslehre ­
  und  ihrer  Quantitätstheorie,  sondern  nur  insofern,  als
die  künstliche  Vermehrung  der  Kaufkraft  entscheidend  ist
und  als  dadurch  das  überlieferte  Preis-  und  Einkommensystem  ins
Wanken  gebracht  wird.  Das  kann,  wie  wir  wissen,  auch  durch
Kreditanspaimung  ohne  Vermehrung  der  realen  Zahlungsmittel,
die  man  bisher  allein  betrachtete,  geschehen.
Nur  vom  Standpunkt  der  Notenbank  aus  ist  es  nicht
gleichgültig,  ob  die  Geldvermehrung  durch  Banknotenausgabe  oder
im  Girowege  erfolgt  oder  durch  Ausgabe  des  eigentlichen  uneinlöslichen ­
  Papiergeldes.  Denn  der  letztere  Fall  der  Geldvermehrung
läßt  die  Notenbank  unberührt,  und  deswegen  hat  man  in  den  meisten
kriegführenden  Ländern,  vor  allem  auch  von  Anfang  an  in  Deutschland ­
  und  in  England,  das  Bestreben  gehabt,  auch  unabhängig  von
ihr  dem  Staate  künstliche  Kaufkraft  zu  verschaffen,  und  da  das
meist  mit  der  Ausgabe  von  Zahlungsmitteln  verbunden  ist,  solche
unabhängig  von  der  Notenbank  ausgegeben.  So  hat  man  bei  uns
die  Darlehenskassenscheine  und  in  England  die  Lurreno^-Notes
  geschaffen,  ohne  sich,  wie  es  aus  der  Begründung  ihrer
Ausgabe  durch  die  Neichsbank  deutlich  genug  hervorgeht,  klar
darüber  zu  sein,  daß  diese  Geldvermehrung,  wenn  sie  auch  auf
„wirklichen  Werten"  beruht,  die  Schaffung  künstlicher  zusätzlicher
Kaufkraft  und  damit  eine  unheilvolle  Wirkung  auf  die  Preisgestaltung ­
  bedeute.
Demgegenüber  liegt  in  der  Heranziehung  der  Notenbank  zur
Kreditgewährung  an  den  Staat,  namentlich  solange  sie  noch  Ausweise ­
  veröffentlicht,  allerdings  noch  eine  gewisse  Bindung  des
Staates  bei  der  Geldvermehrung  an  privatwirtschaft-102

            
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