lich sei. Jedenfalls bleibt die Tatsache bestehen, daß der größte
Teil aller Länder an der Aufrechterhaltung der Goldwährung gar
kein Interesse hat, und wenn es gelänge, sich mit allen diesen zu
einer Zahlungsgemeinschaft ganz ohne Goldausgleich zusammen
zuschließen, wozu, wie gesagt, eine faktische Verabredung gar nicht
nötig ist, würde eine solche fast die ganze Welt umfassen. Aber
daran denkt als Aufgabe der heutigen Politik natürlich kein ver
nünftiger Mensch. Ich habe immer betont, daß, wenn man will,
man den Ausgleich der „Spitzen" im internationalen Verkehr in
Gold vornehmen kann, daß man aber dazu nur wenige hundert
Millionen Mark Gold gebraucht, welches wir uns immer werden
verschaffen können, daß aber auch dieser Ausgleich ebensogut oder
sogar besser in anderer Weise vorgenommen werden kann und schon
vor dem Kriege in der Regel vorgenommen wurde, daß jedenfalls
ein darüber hinausgehender Goldschatz, zumal wenn er in solchen
Zeiten wie den gegenwärtigen nicht verwendet wird, ein ab
soluter Luxus ist. Ich habe nur behauptet, daß die Goldeinlösungs-
psiicht der Banknoten unnötig und daß die freie Prägung, welche
es den Goldproduktionsländern ermöglicht, beliebige Goldmengen
zu einem festen Preise überallhin abzusetzen, eine nur aus Anver
ständnis beibehaltene Maßregel allein zum Nutzen Englands ist.
Das ist nirgends widerlegt worden. Eine Wiedereinführung der
Goldwährung mit allen ihren Bestimmungen nützt uns im Wirt
schaftskampfe mit England gar nichts, stabilisiert nur den Zustand,
daß es eine beliebig große Goldmenge zu festen Preisen überall
absetzen kann und belastet unsere Volkswirtschaft weiterhin mit
überflüssigen Kosten.
Die Stellung Englands als Weltzahlungsvermittler zu er
schüttern ist allerdings eine wichtige Aufgabe des nach dem Kriege
unter allen Amständen noch fortdauernden Wirtschaftskrieges. Sie
wird unsere Vergeltung sein für die Vernichtung unserer aus
ländischen Handelsorganisation in fast allen Ländern, die eines
der wesentlichsten Kriegsabsichten Englands war und für die wir
auch bei dem günstigsten Friedensabschluß keine volle Entschädigung
bekommen werden. Aber mit der Goldwährung hat diese Aufgabe
gar nichts zu tun. Es ist mir daher auch niemals eingefallen, zu
behaupten, daß durch die Abwendung von der Goldwährung jene
Stellung Englands erschüttert werden könnte. Denn sie beruht
nicht auf der Goldwährung — das ist eine ganz falsche, echt me-
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