23
zenten zu einem Anfangspreisniveau ausdrückt, warum in aller
Welt soll denn die Veränderung des ausländischen Wechselkurses
gerade dieser Veränderung des Preisniveaus entsprechen? Aus
dessen Verhältnisse sind, gerade jetzt im Kriege, so viele besondere
Faktoren von Einfluß, die mit dem durchschnittlichen inländischen
Preisniveau, immer vorausgesetzt, daß die Errechnung eines
lolchen überhaupt einen Sinn habe, nichts zu tun haben: die augenblicklichen
Export- und Importverhältnisse nach und aus den betreffenden
Ländern, die sonstigen Schulden und Forderungen ihnen
gegenüber, ferner politische Momente, Sym- und Antipathien,
Beurteilung der militärischen, politischen und wirtschaftlichen
Lage, künstliche Beeinflussung des Devisenmarktes usw. Richtig
ist nur, daß die Bewertung unseres Geldes im Auslande auch ein
Preis ist, der mit allen Preisen des Inlandes ausgedrückt in der
ausländischen Währung in Zusammenhang steht. Aber es ist kein
Grund einzusehen, weshalb dieser Preis einem so willkürlich errechneten
Preisdurchschnitt entsprechen soll.
Daher ist die übrigens auch nur sehr annähernde Verhältnismäßigkeit
von Geldvermehrung und ausländischem Wechselkurs
etwas rein Zufälliges, und ein statistischer Beweis dafür
ist unmöglich. Vielmehr läßt sich statistisch ebensogut das Gegenteil
beweisen, wie z. B. von Oktober bis November 1915 die
Reichsindexziffer von 41,90 auf 38,86 gefallen ist, während gleichzeitig
der Reichsbankansweis eine Vermehrung der Noten und
der Zirkulation von Darlehenskassenscheinen angibt. Doch sind
alle Indexziffern so willkürlich und das Operieren mit allen diesen
Zahlen in so hohem Grade unsicher, daß es sich wirklich nicht verlohnt,
auf solche statistische „Beweise" näher einzugehen.
Wenn es daher verkehrt ist, in dem ausländischen Wechselkurs
einen Ausdruck des „inländischen Preisniveaus" zu sehen, so
ist es doch auf der anderen Seite noch verkehrter und nur durch das
Fehlen jeder richtigen Preistheorie erklärlich, wenn vielfach behauptet
wird, daß der Wechselkurs mit den inländischen Preisveränderungen
gar nichts zu tun habe, sondern nur das Ergebnis
des Zahlungsverkehrs mit dem betreffenden Lande sei. Eine derartige
Behauptung ist in den vielen Erörterungen über die Gründe
des schlechten Standes unserer Valuta sehr oft ausgesprochen worden.
Es sei nur eine Stelle aus der neuesten Schrift von F. Bendixen,
„Das Inflationsproblem", Finanzwiffenschastliche