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reichischen Rohschafhäuten wegen deren kräftiger, fettreicher, egalstarker
Beschaffenheit, nicht aber aus solchem Material deutscher Provenienz
erzeugen *), und auch die, je nach Herkunft in der Hautsubstanz uni>
im Aufbau sehr verschiedenen Ziegenfelle verlangen zu ihrer Überführung
in Chromleder eine strenge Auswahl und ein strenges Sortiment der
ausgewählten Rohware^), woraus folgt, daß dieser Artikel nur in der
Großfabrikation und als Spezialität konkurrenzfähig erzeugt werden kann.
Die Erzeugung von Standard-Ware durch Aufzucht geeigneter Tiere,
durch Reinzucht oder Kreuzung von Rassen, durch geeignete Fütterung,
Haltung, Pflege, stellt im Hinblick auf die oben dargelegten Verhältnisse
ein wichtiges agrarpolitisches Problem dar, dessen Schwierigkeit ein
leuchtet, wenn man bedenkt, daß z. B. bei einem Tier, wie beim
Schaf, Wolle, Haut und Fleisch in gewollter Weife beeinflußt werden sollen.
Die Provenienz eines Hautmaterials enthält für den Fachmann
außer den bisher dargelegten und durch konvergente Züchtung oder
durch unmittelbare Bewirkung einer Tierspezies aufgezwungenen Quali
täten oft auch noch eine Reihe von Eigenschaften, welche vielleicht mehr
äußerlicher und unbedeutender Natur erscheinen mögen, deren große
technische und damit wirtschaftliche Bedeutung aber sofort einleuchtet,
wenn man etwa auf großen Auktionen große Mengen von Rohmate
rialien gleicher Herkunft aufgestapelt sieht. Die oft von Kletten ganz
durchsetzten marokkanischen Wollen z. B., welche zur Entfernung der
Kletten vor ihrer Verarbeitung um die Kosten der Karbonisation ver
teuert werden, beeinflussen natürlich auch den Preis des diese Wollen
tragenden Felles, die nordamerikanischen Häute weisen zahllose Ver
letzungen infolge der Stachel draht Umzäunungen der Weiden auf^),
schon im merkantilistischen Frankreich war es verboten 4 ), an ansteckenden
Krankheiten gefallene Schafe weißgar zu machen, und Parasiten
aus den verschiedensten Tierklassen entwerten auch heute noch gelegentlich
Haare oder Haut oder beides; dazu kommen dann oft noch die ganz
bestimmten Provenienzen eigenen Brandmale zum Zeichnen der Tiere,
die spezifischen, oft ganz unsachgemäßen Methoden der Konservierung^
und andere Schäden, lauter Momente, welche natürlich in der Preis
bildung des Fachmannes einen geradezu instinktiven Ausdruck finden.
Man möchte diese spezifischen Qualitäten einer bestimmten Provenienz
fast mit den Platzusancen einer Börse oder einer Auktion vergleichen,
es sind die stillschweigend vorausgesetzten, jedem Besucher bekannten
Bedingungen, unter welchen er kauft.
i) Gerber 1883, S. 114. 2 ) Gerber 1802, S. 291.
3 ) Ledermarkt 1908, Nr. 77. l ) Schauplatz 1767, Bd. VI, S. 129.
°1 Vgl. z. B. Hausner 1875, S. 354; Schuh und Leder 1902, Nr. 21 bis
23, 31; Zeitschrift für Angew. Chemie 1910, S. 430.