Full text : Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen

99

Don  der  Geldseite  her.  l )  Man  könnte  zwar  vielleicht  gerade  auf
Grund  meiner  Ertragstheorie  sagen,  daß  doch  die  Erträge  und
umlaufenden  Kapitalien  dem  Staate  nur  zur  Verfügung  gestellt
werden,  wenn  er  höhere  Erträge  verspricht,  als  sie  bei  anderer
Kapitalisierung  der  verfügbaren  Gelder  erzielt  werden  würden.
Aber  erstens  ist  das  unter  den  besonderen  Verhältnissen  des  Krieges
in  Deutschland  zweifelhaft,  die  Erwerbswirtschaften  legen  ihr  umlaufendes ­
  Kapital  in  Kriegsanleihen  an,  weil  sie  infolge  Rohstoffknappheit ­
  und  Arbeitermangel  augenblicklich  keine  günstigere  Anlagegelegenheit ­
  haben  (auch  die  Schaffung  von  Rücklagen  für  die
Kriegsgewinnsteuer  spielt  natürlich  mit  und  diese  wirkt  also  auch
insofern  günstig).  Zweitens  aber,  selbst  wenn  es  der  Fall  wäre,
daß  auch  günstigere  Anlagegelegenheiten  hier  und  da  möglich
wären  (z.  B.  bei  den  Konsumwirtschaften,  welche  den  Vorteil  der
Kapitalisierung  von  Einkommensteilen  mit  dem  der  weiteren  Ausdehnung ­
  des  Konsums  vergleichen),  so  würde  das  doch  keine  Rolle
spielen,  da  es  sich  doch  nur  um  die  jährliche  Zinsdifferenz  handelte,
das  Mehr  an  Erträgen,  was  bei  der  Anlage  in  Kriegsanleihe  unter
Amständen  herausspringt.  Das  wird  auf  die  jeweiligen  Preisverhältnisse ­
  keinen  nennenswerten  Einfluß  haben.
Wenn  man  also  die  Möglichkeit  einer  Kreditinflation  erkennt,
so  wäre  es  doch  auf  der  anderen  Seite  viel  zu  weit  gegangen,  wenn
man  nun  glauben  wollte,  daß  jede  Kreditinanspruchnahme  preissteigernd ­
  wirken  müsse.  Gewiß  kommt  damit  der  Theorie  nach
Kaufkraft  in  Lände,  welche  mit  größeren  Ertragserwartungen
(seien  es  Gelderträge,  seien  es  individuelle  Konsumerträge)  auf  den
Markt  treten,  aber  von  einer  inflationistischen  Wirkung  der  Kredit-*)
  Das  verkennt  W.  Federn  in  seinem  schon  genannten  Aufsatz  im
„Osterr.  Volkswirt"  vom  3.  und  10.  November,  wenn  er  schreibt:  „Für
die  Preisentwicklung  wäre  es  in  hohem  Maße  gleichgültig  gewesen,  wenn
die  Kriegskosten  mit  Banknoten  oder  mit  Kriegsanleihen  gedeckt  worden
wären;  es  sind  gewiß  nur  sehr  kleine  Teile  der  Bevölkerung,  die  ihren  Verbrauch ­
  eingeschränkt  haben,  um  Kriegsanleihe  zu  zeichnen."  Gewiß,  aber
darauf  konnnt  es  nicht  an.  And  weiter:  „Wir  haben  auch  gegenüber  den  Anhängern ­
  der  nominalistischen  Lehre  immer  wieder  betonen  müssen,  daß  die
Wirkung  der  Kriegsanleihen  aus  die  Preisbildung  im  wesentlichen  dieselbe
sei  wie  der  Ausgabe  von  unmittelbaren  Zahlungsmitteln  oder  der  Deckung
der  Kriegskosten  aus  irgendeinem  erdenklichen  Kreditwege."  Das  scheint
mir  unzutreffend,  da  es  auf  die  Quelle  des  Kredits  ankommt,  zeigt  aber,
welche  Anklarheiten  trotz  aller  Fortschritte  noch  immer  über  die  wichtigsten
tauschwirtschaftlichen  Zusammenhänge  und  Probleme  bestehen.  Es  kann
hier  nicht  näher  darauf  eingegangen  werden.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.