Full text: Vergangenheit und Zukunft der Sozialwissenschaften

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soviel überblickte, drang er in keiner Eichtung weit 
vorwärts, eben weil alle die Wege ihm offenbar waren, 
hat er keinen neuen gebrochen. Wieder hilft uns die 
Analogie mit der Politik — und es ist keine bloß 
äußerliche Analogie, vielmehr handelt es sich über 
all um die gleichen Notwendigkeiten der Dinge und 
die gleichen sozialpsychischen Phänomene: Der Poli 
tiker, der alle Möglichkeiten und Notwendigkeiten 
sieht und der sich bewußt ist, daß kein Partei 
programm nur Wahrheit und ewige Wahrheit ent 
halten kann, wird von den Dingen nicht so leicht 
desavouiert werden, als einer der sich lodernd von 
Begeisterung und mit den dazu gehörigen Scheu 
klappen in agmen, in pulverem, in clamorem stürzt. 
Aber der politische Führer und Sieger ist doch der 
letztere — und der erstere meist nicht mehr als ein 
schönes Möbel eines kultivierten Salons. Der „Scho- 
larch“ hat seine Funktionen und es wäre nicht un 
bedenklich, ihm gerade jene moralische und intellek 
tuelle Anlage zu wünschen, die zum Verzichten auf 
temporären Schulerfolg gehört. Und — was würde 
aus uns allen, wenn wir uns stets die Tatsache vor 
Augen hielten, daß wir nur Kindern gleichen, die 
sich am Meeresstrand ein Schlößchen aus Sand bauen, 
mit einem Graben rundherum und dann versuchen, 
das Meer in diesen Graben zu schöpfen. 
Aber obgleich die Gründe jener Diskontinuität 
der wissenschaftlichen Entwicklung sicher fortbe- 
stehen werden, obgleich wir nicht einmal wünschen 
dürfen, daß sie wegfielen, so ist doch klar, daß sie 
labentibus annis an Stoßkraft verlieren müssen. Je 
breiter und tiefer der Strom des Wissens wird, um
	        
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