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allenthalben ferner den naivsten Dilettantismus,
dessen Produkte auch von der Pachmeinung oft gar
nicht von denen ernster Arbeit unterschieden werden—
wir haben Dilettantismus als anerkannte Institution:
Ohne alle Schulung wendet man sich oft sorglos den
schwierigsten Problemen zu und ein Gefühl der Mut
losigkeit beschleicht wohl manchen ernsten Arbeiter,
wenn er sieht, wie völlig unmöglich es ist, jemand von
elementaren Fehlern, die er begangen hat und die von
keinem „Standpunkt“ zu rechtfertigen sind, zu über
zeugen. Der ökonomische Theoretiker weiß etwas
davon zu erzählen: Die sogenannte Grenznutzen
theorie hat die reine Wirtschaftslehre auf eine neue
Grundlage gestellt und ihre Erklärungsprinzipien so
lange ausgebaut, bis ein ziemlich kompliziertes Ganzes
entstand. Ein jedes solches Ganzes muß vor allem
gelernt sein und ist nicht ohne weiteres zugänglich.
Allein es hat sich bisher in Deutschland als unmög
lich erwiesen, außerhalb eines engen Kreises nicht
etwa eine freundliche oder auch nur eine sachgemäße
Beurteilung durchzusetzen. Mißverständnisse, wie
sie beim Studium eines schwierigeren Gedanken
gangs sich leicht einstellen, werden mit Würde und
Überzeugung als ernste Einwendungen den Vertretern
der Grenznutzentheorie entgegengehalten — und statt
zu lächeln, klatscht die Fachmeinung oft Beifall dazu.
Heute, in einer Zeit wiederum größeren theoretischen
Interesses, erscheint eine solche Arbeit nach der an
deren und jedesmal muß man beobachten, daß fast
niemand merkt, ob der Autor die Elemente seines
Gegenstands beherrscht oder nicht. Auf manchen