Full text: Vergangenheit und Zukunft der Sozialwissenschaften

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wahr, daß es auch auf dem Gebiet der Wissenschaft 
schön wäre, wenn wir uns frei vom Geschirr der 
fachlichen Methoden nach Lust und Laune umher 
tummeln könnten nach allem haschend was uns freut, 
von allem plaudernd, was uns einfällt, so ist es doch 
ebenso wahr, daß nur arbeitsteilige Facharbeit uns 
weiterführen kann, wenn uns das nicht genügt, was 
sich so ohne weiteres erhaschen läßt. Wer gegen 
wissenschaftliche Arbeitsteilung kämpft, der täuscht 
sich über den Wert der Alternative, die er uns bietet. 
Mag er sich in noch so prächtige philosophische 
Mäntel hüllen, er hat uns nur ärmliche Gaben zu 
schenken. Wem die trockenste analytische Kausal 
kette leuchtet, wer den feinsten Reiz spezifisch 
wissenschaftlicher Arbeit erfaßt, der verliert sehr 
bald den Geschmack an jenem Antichambrieren vor 
den wahren Problemen, zu dem ein jeder verurteilt ist, 
der der intellektuellen Situation unserer Zeit nicht 
ins Auge blicken und sich mit ihr nicht abfinden will. 
Mitunter stellt man die Sache so dar, wie wenn jeder, 
der so argumentiert wie ich es tue, ein Finsterling 
wäre, der moralisch im „Fach“ ertrunken ist. Das 
mag gelegentlich die richtige Antwort sein. Aber sie 
ist es nicht immer. Nicht deshalb, weil ich weite 
Vistas nicht zu schätzen wüßte, argumentiere ich so, 
sondern weil jene konkreten Visten, die uns heute 
geboten werden, so dürftig sind. Wer sich mit 
Worten nicht berauschen will, muß erkennen, daß 
nicht etwa bloßes Detail, sondern das Wesen der 
Dinge uns auf dem Weg zu solchen Visten verloren 
geht. Er mag all jenes Sehnen fühlen, das auf diesen
	        
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