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wahr, daß es auch auf dem Gebiet der Wissenschaft
schön wäre, wenn wir uns frei vom Geschirr der
fachlichen Methoden nach Lust und Laune umher
tummeln könnten nach allem haschend was uns freut,
von allem plaudernd, was uns einfällt, so ist es doch
ebenso wahr, daß nur arbeitsteilige Facharbeit uns
weiterführen kann, wenn uns das nicht genügt, was
sich so ohne weiteres erhaschen läßt. Wer gegen
wissenschaftliche Arbeitsteilung kämpft, der täuscht
sich über den Wert der Alternative, die er uns bietet.
Mag er sich in noch so prächtige philosophische
Mäntel hüllen, er hat uns nur ärmliche Gaben zu
schenken. Wem die trockenste analytische Kausal
kette leuchtet, wer den feinsten Reiz spezifisch
wissenschaftlicher Arbeit erfaßt, der verliert sehr
bald den Geschmack an jenem Antichambrieren vor
den wahren Problemen, zu dem ein jeder verurteilt ist,
der der intellektuellen Situation unserer Zeit nicht
ins Auge blicken und sich mit ihr nicht abfinden will.
Mitunter stellt man die Sache so dar, wie wenn jeder,
der so argumentiert wie ich es tue, ein Finsterling
wäre, der moralisch im „Fach“ ertrunken ist. Das
mag gelegentlich die richtige Antwort sein. Aber sie
ist es nicht immer. Nicht deshalb, weil ich weite
Vistas nicht zu schätzen wüßte, argumentiere ich so,
sondern weil jene konkreten Visten, die uns heute
geboten werden, so dürftig sind. Wer sich mit
Worten nicht berauschen will, muß erkennen, daß
nicht etwa bloßes Detail, sondern das Wesen der
Dinge uns auf dem Weg zu solchen Visten verloren
geht. Er mag all jenes Sehnen fühlen, das auf diesen