Full text: Vergangenheit und Zukunft der Sozialwissenschaften

Weg drängt und doch nicht die Augen vor der Tat 
sache schließen wollen, daß in unserer intellektuellen 
Situation dieser Weg für die Wissenschaft immer un 
gangbarer wird. Was in dieser Beziehung dem For 
scher als Forscher noch blühen kann, das ist die 
Ahnung der großen Züge des Geschehens, die sich 
in präziserer Form gerade nur am Einzelnen und 
durch das Einzelne offenbaren. Diese Ahnung ist alles. 
Aber sie ist viel mehr, als jene Sammlung von Ge 
meinplätzen, die das klägliche Resultat synthetischen 
Wollens sein muß, das sozusagen mit Nachsicht der 
Taxen Vordringen will. Ernster tiefschürfender Arbeit 
am Einzelnen erschließt sich von selbst, was heute 
nicht mehr erstrebt werden kann. Frühere Zeiten, 
denen eine Hypostasierung der Dinge auf meta 
physische Worte genügte, um alle Fragelust zu be 
friedigen, waren in einem Sinn besser daran. Wem 
das heute genügt, ist ebenfalls besser daran. Wem 
es nicht genügt, der muß weiter auf dem analytischen 
Weg — auch wenn er sich über dessen Möglichkeiten 
durchaus keinen Täuschungen hingibt. 
So wenig wie vor der Arbeitsteilung und dem 
Spezialproblem fürchte man sich vor jenem Ge 
spenst, das „subjektivistische Kultur“ heißt. Die 
Kultur unserer Zeit ist — und zum Teile, wenn auch 
nicht ausschließlich, infolge der Arbeitsteilung — zer 
klüftet, labil, ohne Zentren, arm anAllgemeingültigem 
(= für viele Wertvollem, nicht etwa = allgemein 
gültiger wissenschaftlicher Erkenntnis). Das ist 
wahr. Und jene Entwicklung der Wissenschaft, die 
ich hier skizziere, muß die Klüfte erweitern. Allein
	        
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