Weg drängt und doch nicht die Augen vor der Tat
sache schließen wollen, daß in unserer intellektuellen
Situation dieser Weg für die Wissenschaft immer un
gangbarer wird. Was in dieser Beziehung dem For
scher als Forscher noch blühen kann, das ist die
Ahnung der großen Züge des Geschehens, die sich
in präziserer Form gerade nur am Einzelnen und
durch das Einzelne offenbaren. Diese Ahnung ist alles.
Aber sie ist viel mehr, als jene Sammlung von Ge
meinplätzen, die das klägliche Resultat synthetischen
Wollens sein muß, das sozusagen mit Nachsicht der
Taxen Vordringen will. Ernster tiefschürfender Arbeit
am Einzelnen erschließt sich von selbst, was heute
nicht mehr erstrebt werden kann. Frühere Zeiten,
denen eine Hypostasierung der Dinge auf meta
physische Worte genügte, um alle Fragelust zu be
friedigen, waren in einem Sinn besser daran. Wem
das heute genügt, ist ebenfalls besser daran. Wem
es nicht genügt, der muß weiter auf dem analytischen
Weg — auch wenn er sich über dessen Möglichkeiten
durchaus keinen Täuschungen hingibt.
So wenig wie vor der Arbeitsteilung und dem
Spezialproblem fürchte man sich vor jenem Ge
spenst, das „subjektivistische Kultur“ heißt. Die
Kultur unserer Zeit ist — und zum Teile, wenn auch
nicht ausschließlich, infolge der Arbeitsteilung — zer
klüftet, labil, ohne Zentren, arm anAllgemeingültigem
(= für viele Wertvollem, nicht etwa = allgemein
gültiger wissenschaftlicher Erkenntnis). Das ist
wahr. Und jene Entwicklung der Wissenschaft, die
ich hier skizziere, muß die Klüfte erweitern. Allein