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beruht. Das andere fällt, sowie die Stimmung vorbei
ist und die Hitze des Tages, in die Hände künftiger
Bichter, die, wenn wir der Erfahrung des abgelaufe
nen Jahrhunderts und unserer Zeit vertrauen dürfen,
wohl oft irren — aber niemals in der Biehtung der
Milde.
In solchen konstruktiven Epochen wird die
wissenschaftliche Arbeit von besonderem Glanz um
strahlt. Das sind Zeiten der Ernte, in denen langsam
aufgehäufte Schätze an das Licht und in das Bewußt
sein treten. Es liegt nur an uns die „Epoche der
Kulturtheorie“ so groß zu machen wie die des Natur
rechts — ihre leibliche Mutter — war. Wie schade
wäre es, wenn wir unsere Kraft und unsere Chance
vergeuden wollten, weil wir von der Vergangenheit
nicht lernen wollen. Wie schade, wenn wir das, was
das Schicksal uns auf den Weg streut, verdürben,
weil wir die wissenschaftlichen Mittel, die wir ja
haben, verachten. Wie schade, wenn wir nach Phra
sen haschen wollten, Bichtungen vernichten oder
begründen, Philosophien machen, während uns die
Sonne zu anderem Werke scheinen kann!
Eine solche Mahnung drängt sich leider auf. Ein
Beispiel von vielen: Wo man von Kultur spricht, da
liegt die Idee der Entwicklung nicht fern. Wirklich
haben wir schon eine ganze Literatur über Entwick
lung oder Fortschritt oder unter ähnlichen Titeln. Und
kaum weiß ich unerfreulichere Lektüre — selbst auf
sozialwissenschaftlichem Gebiet dürften kaum irgend
wo solche Orgien der Phraseologie gefeiert worden
sein. Den großen Lehrern des Naturrechts ist es