Full text: Vergangenheit und Zukunft der Sozialwissenschaften

I. 
W äre die Sozialwissenschaft ein organisches Gan 
zes, dessen einzelne Teile sich einem einheit 
lichen Plan einfügen würden, so wäre unsere Auf 
gabe leichter als sie ist, die Aufgabe, zu zeigen, wie 
das sozialwissenschaftliche Arbeiten von heute mit 
dem von gestern zusammenhängt und wohin wohl der 
Weg in der nächsten Zukunft führen mag. Aber die 
Sozialwissenschaft ist so wenig ein „architektoni 
sches“ Ganzes, wie dieWissenschaft überhaupt. Sie ist 
vielmehr ein Konglomerat von einzelnen Bausteinen, 
die oft herzlich wenig aneinanderpassen wollen, auf 
gehäuft von Leuten verschiedenster Anlagen und ver 
schiedenster Absichten, die kaum jemals einander 
verstehen, niemals planvoll Zusammenwirken. Da er 
wächst eine Disziplin aus einem praktischen Bedürfnis, 
dort aus dem Einfall eines führenden Geistes; hier 
eine, weil eine Methode so schwierig war oder wurde, 
daß die sie beherrschen wollten, für anderes keine 
Kraft übrig behielten, anderswo wieder eine aus den 
prosaischen Notwendigkeiten des Lehrbetriebs. Das 
Äesultat ist ein buntes Getümmel oft ganz absonder 
licher Gestalten, in welchem alles durcheinanderläuft 
und aneinanderprallt, in welchem dasselbe Problem 
oft Gegenstand verschiedener Disziplinen wird, die 
von verschiedenen Standpunkten ausgehen, für die 
Verschiedenes wahr ist und die fast nur zusammen - 
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