Erhaltung des Handwerkes so ungeheuer notwendigen
Fachkurse zur Weiterbildung der Meister und Ge-
hilfen aufrecht zu erhalten. Allerdings mußten auch
diese Einrichtungen auf eine den geänderten Verhält-
nissen entsprechende ganz neue Grundlage gestellt
werden. Vor dem Kriege war nicht nur die Teilnahme
an den Fachkursen des Gewerbeförderungsamtes voll-
kommen unentgeltlich, sondern es wurden den aus-
wärtigen Teilnehmern. (namentlich aus dem Stande
der Gehilfen) auch die Reisekosten und sogar die
Aufenthaltskosten ganz oder teilweise aus öffentlichen
Mitteln ersetzt, Jetzt aber mußten die Kurse wegen
der Notlage des Staates auf Selbsterhaltung gestellt
werden, so daß also die Teilnehmer nicht nur keinen
Ersatz für ihre Barauslagen erhalten, sondern sogar
noch ziemlich bedeutende Beiträge zur Deckung der
Kurskosten zahlen müssen. Und es muß zur Fhre
des Handwerkes gesagt werden, daß sich dieser
Uebergang ziemlich reibungslos vollzogen hat; ja man
<onnte sogar die Erfahrung machen, daß das in den
Kursen Dargebotene erst jetzt, da dafür gezahlt
werden mußte, richtig geschätzt und gewürdigt worden
ist. Ganz besonders hat hiezu die Aufklärungsarbeit der
Gewerbeförderungsinstitute in den Ländern wesentlich
beigetragen, wie den überhaupt durch das Zusammen-
arbeiten dieser Institute mit der staatlichen Gewerbe-
förderung eine selten glückliche Lösung des schwierigen
Problemes, bei gleichartigen Einrichtungen unfruchtbare
Joppelgeleise zu vermeiden, erzielt werden konnte.
Jedenfalls ist es als eine höchst erfreuliche Tatsache
zu werten, daß im Laufe der letzten Jahre ungeachtet
der äußerst schwierigen Verhältnisse die Anzahl der
vom Gewerbeförderungsdienste des Bundesministeriums
für Handel und Verkehr abgehaltenen Fachkurse für
Meister und Gehilfen die Anzahl der Kursver-
anstaltungen vor dem Kriege um ein Vielfaches über-
steigt. So wurden im Betriebsjahre 1025/26 vom
Gewerbeförderungsdienst in seinen eigenen Betriebs-
stätten 50 Kurse mit rund 750 Teilnehmern abge-
halten. Dazu kommen I5 Kurse des Gewerbeförderungs-
institutes der Wiener Handelskammer mit 225 Teil-
nehmern und 58 Kurse der Gewerbeförderungsinstitute
in den übrigen Ländern mit 770 Teilnehmern. Hiehei
sind, was die Gewerbeförderungsinstitute anbelangt,
nur jene Kurse gerechnet, die mit Benützung von
Fachbeamten oder sonstigen Betriebseinrichtungen des
staatlichen Gewerbeförderungsdienstes veranstaltet
wurden. Im Betriebsjahre 1026/27 ergibt sich eine
Zahl von 38 eigenen Kursen des Gewerbeförderungs-
dienstes mit rund 570 Teilnehmern, des Gewerbe-
förderungsinstitutes der Wiener Kammer von 12 Kursen
mit 180 Teilnehmern und der auswärtigen Institute
von 75 Kursen mit 1125 Teilnehmern.
Der Gewerbeförderungsdienst ist jedoch in den
letzten Jahren ganz abgesehen von den Fachkursen
auch sonst erfolgreich bemüht gewesen, an einen
allmählichen Wiederaufbau dieses kulturell und volks-
wirtschaftlich so überaus wichtigen Verwaltungszweiges
zu schreiten. So ist es nach langen Bemühungen ge-
lungen, die erwähnte ständige Ausstellungshalle,
die im Zuge der Abbaumaßnahmen geräumt und an
zinen fremden Betrieb vermietet werden mußte, wieder
irei zu bekommen und ihrem ursprünglichen Zwecke
zuzuführen. Im Oktober 10927 hat die feierliche
Wiedereröffnung dieser für den Gewerbeförderungs-
dienst glücklich zurückgewonnenen Halle mit einer
Ausstellung moderner Maschinen und handwerklicher
Arbeitsbehelfe stattgefunden und die lebhafte und
freudige Anteilnahme, die die Eröffnung dieser Aus-
stellung in den Kreisen des österreichischen Hand-
werkes gefunden hat, beweist am besten, wie schwer
der Mangel einer solchen Einrichtung, die den Hand-
werkern ausgezeichnete fachliche Beratung bei der
Ergänzung und Einrichtung ihrer Werkstätten bietet,
n den letzten Jahren empfunden worden war. Dieser
Ausstellung soll noch im Spätherbste 1928 eine Schau-
stellung neuzeitlicher Roh- und Hilfsstoffe und ihrer
Anwendung im Handwerke folgen — eine Veranstaltung,
die für den österreichischen Gewerbestand von be-
sonderer Bedeutung sein wird, da sie die erste Aus-
stellung auf diesem Gebiete in Oesterreich darstellt.
Die Anzahl der nach dem Umsturze verbliebenen
sechs Musterbetriebe (für Schuhmacher, Tischler, Wag-
ner,. Schlosser, Buchbinder und für Galvanotechnik)
aat im Laufe der letzten Jahre durch Errichtung neuer
MVlusterbetriebe und Werkstätten eine bedeutende
Erhöhung erfahren. Er sind dies die Werkstätten für
Zimmer- und Dekorationsmaler, für Spritztechniken
in holz-, metall- und textilverarbeitenden Gewerben;,
ür Härterei und Gasschmelzschweißung, für Licht-
bogenschweißung, für Auslagenarrangeure und für
Autoreparaturen. Auch auf das Gebiet der Handels-
gewerbe und der Gast- und Schankgewerbe hat der
Gewerbeförderungsdienst in der letzten Zeit seine
Tätigkeit ausgedehnt. Für die ersteren Gewerbe
werden im Vereine mit dem Reklamewissenschaft-
chen Institute Kurse für Verkaufstechnik, Werbe-
wesen und zeitgemäße Ausgestaltung der Schaufenster
veranstaltet und hinsichtlich der Gast- und Schank-
zewerbe ist durch Gewinnung eigener Lehrkräfte für
eine fachgemäße Ausbildung des Personales nament-
lich einfacher Landgasthöfe Vorsorge getroffen worden-
Da im Bundesvoranschlage für das Jahr 1929 be-
deutend erhöhte Mittel sowohl zur inneren Ausge-
staltung des staatlichen Gewerbeförderungsdienstes als
auch zur materiellen Unterstützung der Gewerbe-
förderungsinstitute in den Ländern vorgesehen sind,
besteht die begründete Hoffnung, daß die Gewerbe-
förderung in Oesterreich in nicht allzu langer Zeit
das hohe Niveau der Vorkriegszeit wieder erreichen
und in der Lage sein wird, zum Wiederaufbau des
durch ‘die schweren Verhältnisse der Kriegs- und
Nachkriegszeit so hart betroffenen heimischen Ge-
werbes wesentlich beizutragen.
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